Freitag, 1. Februar 2002

SPEZIAL: LUFTKAMPF UM DIE DRAKEN-NACHFOLGE

Obwohl nicht Favorit um die Draken-Nachfolge geben sich Lockheed Martin und die US-Regierung noch nicht geschlagen: Mit gebrauchten F-16-Kampfjets für die Übergangszeit will man vor allem den Konkurrenten Saab vom Himmel holen.

Im Rennen um die Draken-Nachfolge setzen der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und die US-Regierung massiv auf ihr Alternativangebot für gebrauchte F-16-Jets aus dem Bestand der US Air Force. Eine Modernisierung könnte diese rund 20 Jahre alten Flugzeuge technisch fast auf den Stand neuer Maschinen bringen, betonten die zuständigen Lockheed Martin-Manager vor österreichischen Journalisten am Firmensitz in Fort Worth (Texas). Kosten würden die Jets, die ab 2003 verfügbar wären, aber weniger als die Hälfte des Preises für neue F-16, hieß es unter Hinweis auf Budget und öffentliche Meinung in Österreich.

Die Ausschreibungsfrist für die Draken-Nachfolge ist am Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Gesucht werden neue Jets, 24 Einsitzer sowie als Option sechs Zweisitzer. Dazu soll eine Zwischenlösung für jene Jahre kommen, in denen die Draken nicht mehr und die neuen Maschinen noch nicht fliegen. Als finanzielle Größenordnung für das gesamte System - die Flugzeuge selbst sowie Munition, Ausbildung und Simulationsmöglichkeit - wurden 1,82 Milliarden Euro genannt. Große Bedeutung wird weiters den Kompensationsgeschäften beigemessen, die ein Ausmaß von 200 Prozent des Kaufpreises erreichen sollen. Die Rüstungsfirmen wurden zudem ausdrücklich eingeladen, Alternativangebote zu machen.

Die US-Regierung, über die Rüstungsgeschäfte mit US-Firmen abgewickelt werden, hat dementsprechend ein Angebot für neue F-16 abgegeben. Details zum Preis oder zum Umfang der Gegengeschäfte wurden noch nicht bekannt gegeben. In Fort Worth hieß es lediglich, mit einem System von 24 Jets inklusive Zwischenlösung würden die finanziellen Vorstellungen der Österreicher erfüllt. In puncto Gegengeschäfte wiederum würden 100 Prozent überschritten.

Die politischen und budgetären Bedürfnisse der Österreicher hofft man freilich mit der Alternativ-Variante besser erfüllen zu können, auch wenn der für Österreich zuständige Vizepräsident Alan Bonderud betont, man wolle keinesfalls einer Variante den Vorzug geben. Das Offert umfasst laut Bonderud 18 Ein- und sechs Zweisitzer, die per "Mid-Life Update" (MLU) aufgerüstet werden sollen. Das gesamte System würde weniger als die Hälfte der neuen Maschinen kosten.

1.2.2002 10:39