Donnerstag, 31. Jänner 2002

Havel will Zeman vor Wahl einbremsen

"Mit Befriedigung" hat Bundespräsident Thomas Klestil auf das zugesagte Zusammentreffen des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman in Prag reagiert. Havel im Vorfeld: "Eine weniger bunte Sprache Zemans würde den gutnachbarschaftlichen Beziehungen nutzen".

Klestil hatte in dieser Sache schon am 20. Jänner mit Havel ein ausführliches Telefonat geführt. Vorausgegangen war dem Gespräch der Staatsoberhäupter ein Interview s im Nachrichtenmagazin "profil", in dem dieser im Zusammenhang mit den Benes-Dekreten Österreich und die Österreicher "pauschal verunglimpft" habe, so die Aussendung der Präsidentschaftskanzlei. "Die beiden Präsidenten waren sich einig, dass Probleme zwischen Nachbarn nicht durch Polemiken gelöst werden können, sondern diese nur verschärfen würden. Havel sagte in dem Telefonat dem österreichischen Bundespräsidenten auch eine öffentliche Erklärung und das Gespräch mit Zeman zu. Dies ist nunmehr erfolgt", ist in der Presseerklärung zu lesen.

Auf der Basis der am Donnerstag erfolgten Erklärung Havels "ist es die Auffassung des österreichischen Bundespräsidenten, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs - in einer besonders tragischen und verhängnisvollen Phase der Geschichte - drei Millionen Sudetendeutschen durch Enteignung und Vertreibung große Ungerechtigkeit zugefügt worden war", so der Pressetext, und zitiert Klestil mit den Worten: "Wir müssen uns heute dafür einsetzen, dass das Leid der Menschen anerkannt und erlittenes Unrecht im europäischen Geist wieder gutgemacht wird." Klestil erinnerte auch an eine Erklärung Havels vor der österreichischen Presse anlässlich eines Arbeitsbesuches in Wien im September des vergangenen Jahres, in der der tschechische Staatspräsident die Vertreibung der Sudetendeutschen als "Akt des Unrechts und der Rache" bezeichnet hatte.

Klestil trat auch dafür ein, die Arbeit der bereits eingesetzten Expertengruppe von Völkerrechtlern und Historikern beschleunigt weiter zu führen, damit "der Fragenkomplex der Benes-Dekrete so bald wie möglich auf bilateralem Weg zwischen den beiden Nachbarn bereinigt" werden könne.

31.1.2002 15:44