Provinz-Hauptstadt vor Einnahme

Bis zum Frieden ist es in Afghanistan noch ein langer Weg: Im Osten des Landes gerieten rivalisierende Stämme aneinander. Bei den Gefechten starben mindestens 40 Menschen
Die Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen um die im Südosten gelegenen afghanischen Provinzhauptstadt Gardes haben am Donnerstag nach Augenzeugenberichten an Intensität zugenommen. Stadtrat Abdul Wali sagte Reuters per Telefon, an mehreren Stellen der Stadt werde gekämpft. Beide Seiten setzten Raketen, Granatwerfer und Artillerie ein. Gardes ist die Provinzhauptstadt von Paktia. Afghanistans Regierungschef Hamid Karsai hatte zuvor die Vereinten Nationen gebeten, die internationale Schutztruppe ISAF auszuweiten und auch außerhalb Kabuls einzusetzen.
Karsai will Ausweitung des UNO-Mandats in Afghanistan
Karsai ist am Donnerstag zu Gesprächen mit der britischen Regierung in London eingetroffen. Er wurde auf dem Flughafen von Außenminister Jack Straw begrüßt und fuhr dann zu einer Unterredung mit Premierminister Tony Blair. Es wurde erwartet, dass Karsai wie schon in Washington und New York dafür wirbt, das UNO-Mandat der internationalen Afghanistan-Schutztruppe auszuweiten. Großbritannien hat derzeit die Führung der auf Kabul begrenzten Truppe inne, will diese Rolle aber im März abgeben. Der deutsche Bundeskanzler Gehard Schröder sagte vor einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush, er rechne nicht damit, dass die USA von Deutschland ein größeres Engagement bei der ISAF erwarteten.
Feldkommandant kämpft gegen Regierungskräfte
Nach einer Meldung der afghanischen Nachrichtenagentur AIP kamen bei den seit Mittwoch anhaltenden Gefechten bei Gardes 38 Menschen ums Leben. Einwohner berichteten Reuters, die von Feldkommandant Haji Saifullah geführten Kämpfer hätten eine Festung oberhalb der Stadt sowie das Polizeihauptquartier und das Regierungsgebäude eingenommen. Die Kräfte des von der Übergangsregierung eingesetzten Padschah Khan Sadran würden sich im Westen der Stadt sammeln. Sie hielten noch das Gefängnis. Ein Einwohner sagte: "Sie Kämpfen um die Macht. Hunderte hätten fliehen müssen."
Wali, der Sohn von Khan Sadran, sagte, er könne über Opfer keine Angaben machen. Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Regierungsgebäude. Seit dem Morgen hätten die Gefechte an Intensität zugenommen. Die in der Stadt stationierten US-Sondereinheiten seien von den Gefechten nicht betroffen. Die umkämpfte Hauptstadt der Provinz Paktia wurde nach den Augenzeugenberichten von US-Kampfflugzeugen überflogen. Luftangriffe blieben aber aus.
Saifullah beschuldigt Khan Sadran, den US-Truppen falsche Informationen über die Anwesenheit von Taliban- und El-Kaida-Kämpfer des von den USA gesuchten moslemischen Extremisten Osama bin Laden gemacht zu haben, damit dann US-Kampfflugzeuge Angriffe fliegen.
Die US-Armee leitete nach Angaben von US-Vereidigungsminister Donald Rumsfeld eine Untersuchung zu Berichten ein, wonach US-Soldaten bei einem Angriff am vergangenen Donnerstag nördlich von Kabul irrtümlich 18 Anti-Taliban-Kämpfer getötet hätten. Aus afghanischen Sicherheitskreisen verlautete, örtliche Stammesangehörige hätten die US-Soldaten bewusst falsch informiert und seien so verantwortlich für den Tod Unschuldiger. Die USA sollten aber einen solchen Geheimdienstfehler nicht noch einmal begehen.
Karsai hatte vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York erklärt, alle Afghanen, mit denen er gesprochen habe, hätten die Sicherheit als Schlüsselfrage auf dem Weg zu Frieden, Stabilität und wirtschaftlichem Wiederaufbau bezeichnet. Afghanistan wolle deshalb, dass die Internationale Sicherheitstruppe für Afghanistan (ISAF) nicht nur in der Hauptstadt Kabul, sondern auch in anderen Städten für Sicherheit sorge.
Nach einem Bericht der "Washington Post" (Donnerstagausgabe) haben die US-Sicherheitsbehörden intern eine Warnung vor neuen Anschlägen herausgegeben. In einem Geheimdienstbericht würden sechs mögliche Ziele aufgelistet, darunter auch ein Atomkraftwerk, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Kreise, die den Bericht kennen. Dank der in Afghanistan sicher gestellten Unterlagen hätten bereits drei geplante Anschläge vereitelt werden können, hieß es unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums weiter.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
