Mittwoch, 30. Jänner 2002

Jörg Haider will die SPÖ nach Wahl locken

Zwei Wochen nach ihrer größten Krise, eine Woche nach dem offiziellen Friedensschluss rüsten ÖVP, FPÖ und auch die SPÖ für vorgezogenen Neuwahlen. Das "einfache Parteimitglied" Jörg Haider macht weiter vehement Stimmung dafür. Er spekuliert sogar mit einer blau-roten Achse. Derweil will Bundeskanzler Schüssel die verbleibende Legislatur-Periode durchziehen.

Immer wieder wird die Frage gestellt, wie lange die blau-schwarze Koalition noch halten wird. Wie das neue NEWS berichtet, ist - wenig überraschend - Jörg Haider innerhalb der Regierungsparteien treibende Kraft in Richtung Neuwahlen im Herbst 2002. Weiter gegen Temelin und die Osterweiterung mobil machen, dann eine Steuerreform fordern und schließlich als "Hüter der kleinen Leute" Neuwahlen von Zaun brechen - dies ist das Wahlkampfkonzept des Kärntner Landeshauptmanns.

Ganz anders sieht dies Koalitionspartner und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: Im NEWS-Interview erklärt er, "99 Prozent der Österreicher wollen, dass die Regierung arbeitet. Im Herbst 2003 wird dann gewählt." Da widerspricht ihm jedoch das Ergebnis einer neuen NEWS/Gallup-Umfrage, wonach bereits 33 Prozent der Österreicher für Neuwahlen plädieren.

SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer steht Neuwahlen jedenfalls positiv gegenüber. Bereits Ende letzten Jahres brachte die SPÖ im Nationalrat einen Neuwahlantrag ein, seither befindet sich Gusenbauer im Dauerwahlkampf. 150.000 Wähler hat er in den vergangenen zwei Jahren persönlich angesprochen, 18-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Dennoch: In der bereits erwähnten Umfrage schneidet nur die SPÖ, nicht jedoch ihr Chef gut ab.

Jörg Haider hat unter dessen nicht nur einen Plan für die Wahlkampf-Zeit, sondern auch einen für die Zeit danach: Um den aufsässigen Koalitionspartner ÖVP zu zähmen, spielt er immer wieder die blau-rote Karte. Sogar mit einem auf diese Konstellation angesetzten Vizekanzlerkandidaten Karl-Heinz Grasser liebäugelt Haider. Gusenbauer erteilt den Avancen der FPÖ jedoch im NEWS-Interview eine klare Absage und sieht sich durch die NEWS/Gallup-Umfrage bestätigt: Nur 9 Prozent sind für Rot-Blau.

Lesen Sie Alles über mögliche Neuwahlen im Herbst, Interviews mit Kanzler Schüssel, SP-Chef Gusenbauer und FP-Witschaftssprecher Prinzhorn sowie die Details der NEWS/Gallup-Umfrage im neuen NEWS.

30.1.2002 14:40