Mittwoch, 30. Jänner 2002

Umstrittene Anlage wird verkleinert

Der Hungerstreik illegaler Einwanderer in einem entlegenen australischen Internierungslager ist nach zwei Wochen beendet. Das teilte der australische Einwanderungs-Minister Philip Ruddock nach Verhandlungen in Woomera, einem ehemaligen Raketentestgelände, das heute als Auffang- und Internierungslager genutzt wird, mit. Details nannte er nicht.

Mehr als 250 Flüchtlinge hatten mit dem Hungerstreik gegen die Haftbedingungen und die schleppende Bearbeitung ihrer Asylanträge protestiert. Neun hatten noch am heute Morgen ihre Lippen zugenäht. Zu Beginn der Krise hatten sich Dutzende die Lippen zunähen lassen. Einer hatte sich beim Versuch, den stacheldraht-bewehrten Zaun zu überwinden, schwere Verletzungen zugezogen.

Schließung des Lagers gefordert
Nach 16 Tagen haben die Flüchtlinge ihren Hungerstreik beendet. Nach Verhandlungen mit einer von der Regierung eingesetzten Vermittlungskommission hätten die Asylbewerber in die Beendigung ihrer Proteste eingewilligt. Hassan Varasi, einer der knapp 250 Hungerstreikenden, bestätigte in einem Rundfunkinterview das Ende des Protestes. Die Kommission hatte am Dienstag die Schließung des umstrittenen Lagers gefordert, weil eine "menschliche Tragödie nicht vorhersehbaren Ausmaßes" drohe. Als erste Maßnahme wurde eine Verkleinerung der Einrichtung empfohlen.

Selbstmorddrohungen als letztes Druckmittel
Während des Hungerstreiks von Hunderten von Asylsuchenden hatten mehrere Flüchtlinge damit gedroht, sich umzubringen. Am Montag drohte eine Gruppe von Jugendlichen mit Selbstmord. Ruddock begrüßte das Ende des Protests ausdrücklich und dankte der unabhängigen Beratergruppe, die zwischen Flüchtlingen und Regierung vermittelt hatte.

Woomera ist eins von sechs Internierungslager mit insgesamt 2000 Asylsuchenden, die dort bis zur Entscheidung über ihren Antrag interniert sind. Australien war weltweit wegen seiner harten Haltung in der Asylpolitik und der Internierung der Menschen kritisiert worden.

In der ehemaligen Raketenbasis Woomera beteiligen sich nach Angaben von Anwälten zuletzt noch mehr als 200 der insgesamt bis zu 1000 Insassen an dem Hungerstreik. Sie wollten damit eine Beschleunigung ihrer Asylverfahren erreichen, die sich in Australien zum Teil über Jahre hinziehen können. Die Asylbewerber werden solange in einem Flüchtlingscamp interniert.

2 Jahre im Lager
Die Menschen sitzen zum Teil bereits seit zwei Jahren in Woomera fest. Opposition, Hilfsorganisationen, Medien und Kirche unterstützten die Flüchtlinge. Die meisten der Hungerstreikenden waren afghanische Flüchtlinge. Für sie gibt es nach dem Sturz des Taliban-Regimes kaum Aussicht auf Anerkennung.

30.1.2002 08:29