Montag, 28. Jänner 2002

Palästinensische Raketenstartrampen entdeckt

Im Westjordanland ist am Donnerstag ein 15-jähriger Palästinenser erschossen worden, offenbar bei einem Zusammenstoß mit israelischen Soldaten. Wie der israelische Rundfunk meldete, eröffneten die Soldaten bei Nablus das Feuer auf Steine werfende Jugendliche.

Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte war zunächst nicht klar, wer den 15-Jährigen getötet hatte. Die israelische Armee prüfte den Bericht.

Palästinensische Raketenstartrampen entdeckt
Die israelische Armee hat am Donnerstag nahe einer jüdischen Siedlung im südlichen Gaza-Streifen fünf Abschussrampen für selbstgebaute Kleinraketen des Typs "Kassam" gefunden und daher Alarm für alle jüdischen Siedlungen gegeben. Zuvor hatte Premier Ariel Sharon aufhorchen lassen: Er hätte bereits im Libanon-Krieg für den Tod Yassir Arafatzs sorgen sollen, erklärte er nun.

Israelische Medien berichteten, die Abschussrampen seien mit Zeitzündern ausgestattet gewesen. Offenbar hätten militante Palästinenser einen größeren Angriff auf die Siedlung geplant. Militante Palästinenser haben bereits früher "Kassam"-Raketen, die über eine geringe Reichweite verfügen, vereinzelt gegen israelische Ziele im Gazastreifen eingesetzt. Nach israelischen Geheimdienstinformationen sind diese Waffen zuletzt auch ins Westjordanland geschmuggelt worden. Die jüdischen Siedler im südlichen Gaza-Streifen sind aufgefordert worden, in Bunkern Schutz zu suchen.

Sharon bedauert, dass Arafat noch am Leben ist
Sharon hat zuvor Bedauern darüber geäußert, dass Israel den Palästinenserführer Yassir Arafat nicht während des Libanonkriegs in Beirut getötet hat. Sharon sagte in einem Gespräch mit der israelischen Tageszeitung "Maariv": "Im Libanon gab es eine Vereinbarung, Arafat nicht zu töten. Genau betrachtet bedaure ich es, dass wir ihn nicht liquidiert haben." Sharons Sprecher Raanan Gissin sagte dazu, Israel wolle Arafat heute nicht mehr beseitigen. "Israels Politik ist heute, ihn nicht persönlich zu verletzen".

Sharon hatte schon bei früheren Anlässen öffentlich sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass die "großen Anstrengungen", die von Israel unternommen worden seien, um Arafat physisch zu beseitigen, nicht zum Erfolg geführt hätten.

Sharon sagte in dem "Maariv"-Interview außerdem, Arafat könne wieder ein Verhandlungspartner der Israelis sein, wenn er "alle Schritte unternimmt, die wir von ihm fordern". Israel und die USA werfen Arafat vor, den Terror zu unterstützen. Sharon sagte, er glaube an eine "militärische Lösung" des Terror-Problems.

Differenzen zwischen EU und USA wegen Nahostpolitik
Zwischen der Europäischen Union und den USA vertiefen sich unter dessen die Differenzen in der Nahostpolitik. Für die EU bleibe Präsident Arafat weiterhin der alleinige legitime Repräsentant des palästinensischen Volkes, betonte der Außenpolitik-Beauftragte Javier Solana am Mittwoch (Ortszeit) nach einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell in Washington. Die Autonomiebehörde sei der einzige Ansprechpartner für Brüssel, und dies solle nach Möglichkeit so bleiben.

28.1.2002 08:01