Abgaben und Steuern sind zu hoch

Eine Wifo-Studie attestiert Österreich mangelnde EU-Erweiterungs-Fittness. Noch ist die heimische Wirtschaft nicht völlig gewappnet für den Beitritt der neuen Kandidaten. Insbesondere bei den Arbeitskosten soll noch einiges geschehen, so die Studie. Die Arbeit ist im Vergleich zum EU-Schnitt viel zu hoch besteuert.
Wirtschaftstreibende und Politiker sollen schon jetzt beginnen, die heimischen Unternehmen für die Zeit nach der ersten Erweiterungsrunde der EU fit zu machen - denn spätestens ab 2007 drohen der Verlust eines "erheblichen Teils" der bisherigen EU-Förderungen, sowie kostengünstiger produzierende neue Mitbewerber und ein aggressiver Standortwettbewerb um Investitionen und Jobs. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwochabend erstmals vorgestellte Studie unter der Leitung des Industrieexperten Karl Aiginger. Der Wifo-Forscher empfiehlt der Politik Senkung von Lohnnebenkosten und Steuern und den Wirtschaftstreibenden, rechtzeitig ihre Betriebe durch eine "Qualitätsstrategie" fit zu machen.
Heimische Abgabenquote liegt zu hoch
Die allgemeine Steuer- und Abgabenquote liegt in Österreich um rund 10 Prozent über dem EU-Schnitt, der Faktor Arbeit ist im EU-Vergleich zu hoch besteuert, lautet die im Wesentlichen bekannte Diagnose der Wirtschaftsexperten. Bei der Unternehmensbesteuerung hat der große Nachbar Deutschland den Abstand zu Österreich zwar verringert, die faktische Besteuerung liegt in Deutschland heute aber trotz Reform noch um 20 Prozent höher als in Österreich. Weitere 8 EU-Länder bereiteten Senkungen der Unternehmensbesteuerung vor, sagte Aiginger.
Obwohl die österreichische Unternehmensbesteuerung unterhalb des EU-Schnitts liegt, solle die Wirtschaftspolitik wie in Deutschland nicht entnommene Gewinne geringer besteuern, die Lohnnebenkosten sowie die Belastungen auf Arbeit senken. Weniger Steuern statt mehr Förderungen lauteten auch die Präferenzen der Unternehmer selbst.
Burgenland bleibt nicht Ziel 1-Fördergebiet
Dennoch würden die Betriebe den voraussichtlichen Entfall der EU-Förderungen ab 2007 zu spüren bekommen, hieß es. So sei nicht zu erwarten, dass das Burgenland weiterhin ein "Ziel 1"-Fördergebiet bleibe, während in den benachbarten ungarischen und slowakischen Regionen hoch gefördert werden dürfe.
Als Strategie empfehlen die Studienautoren zum einen, den Dienstleistungsanteil in der Wirtschaft zu forcieren. Die österreichischen Industriebetriebe sollten ferner eine "Qualitätsstrategie" einschlagen, stärker innovative Techniken verwenden, die Verflechtung mit der Wirtschaft in den neuen EU-Ländern intensivieren und auf teurere, wenig preiselastische Produkte setzen, empfehlen die Experten.

