Donnerstag, 24. Jänner 2002

Deutschland bleibt Europa-Schlusslicht

Die Europäische Zentralbank sieht bei der europäischen Wirtschaft Licht am Ende des Tunnels. Das Vertrauen der Anleger dürfte in Hinkunft wieder steigen und auch die Inflationsgefahr scheint mittelfristig gebannt. Nur Deutschland bildet laut Bankenverband auch im heurigen Jahr wieder das wirtschaftliche Schlusslicht Europas.

Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet trotz schwachen Starts mit einer konjunkturellen Erholung in der Euro-Zone im Jahresverlauf und sieht mittelfristig keine Inflationsgefahren. "Es gibt einige Anzeichen, die die Aussichten für eine allmähliche Erholung im Verlauf des Jahres 2002 stützen", heißt es in dem am Donnerstag vorgelegten EZB-Monatsbericht für Jänner.

Aus Umfragen schließt die EZB, dass der Rückgang des Vertrauens seine Talsohle erreicht haben könnte, auch wenn die Konjunktur Anfang 2002 wahrscheinlich noch schwach bleibe. Die Unsicherheit in Bezug auf die Wirtschaft von USA und anderer Regionen sei aber noch groß.

Das "Wann" und "Wie lange" bleibt noch ungewiss
Zeitpunkt und Nachhaltigkeit des erwarteten Aufschwungs seien noch ungewiss, grenzen die Ökonomen ein. Die Inflation werde 2002 deutlich unter zwei Prozent fallen und mittelfristig auf einem mit Preisstabilität vereinbaren Niveau bleiben. Wichtig sei aber, dass die Lohnzurückhaltung beibehalten werde. Bei Inflationsraten bis maximal zwei Prozent sieht die EZB stabile Preise als gewährleistet an. Keinen nennenswerten Effekt auf das durchschnittliche Preisniveau erwarten die EZB-Volkswirte von der Einführung des Euro-Bargelds.

Deutschland bleibt auch 2002 Schlusslicht Europas
Angesichts geringer Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung rechnet der Bundesverband deutscher Banken (BdB) nach eigenen Angaben damit, dass Deutschland auch in diesem Jahr das konjunkturelle Schlusslicht in Europa sein wird. "Es ist daher zu befürchten, dass Deutschland auch 2002 wieder am Ende des europäischen Konjunkturzuges rangieren wird", erklärte der Verband am Donnerstag in Berlin.

Zwar gebe es auch hier zu Lande erste Stimmungsindikatoren, die eine Besserung anzeigten. "Im Vergleich zum gesamten Euro-Raum sind diese Signale allerdings noch äußerst dürftig."

24.1.2002 10:53