Enron-Pleite zieht Kreise bis nach Europa

Der US-Energiehandelskonzern sorgt mit seiner Rekord-Pleite in den USA für Wirbel. Neben den Milliardenverlusten für die Geschäftspartner und den Jobverlusten ist der sonst renommierte Wirtschaftsprüfer-Konzern Arthur Andersen in ein schiefes Licht geraten: Er hat belastende Akten vernichtet, das FBI ermittelt. Und auch die Regierung steht im Zwielicht. Enron hat den Präsidentenwahlkampf Bushs kräftig mitfinanziert.
Der europäische Handelsbereich des bankrotten US-Energiehändlers Enron schuldet seinen Handelspartnern mehr als eine Milliarde Dollar (1,1 Mrd. Euro/15,6 Mrd. S). "Aus Out-of-the-Money (verlustbringenden) Kontrakten wird den Gegenparteien mehr als eine Mrd. Dollar geschuldet", sagte der für Enron verantwortlicher PwC-Partner Neville Kahn am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.
Enron Capital Trade Resources (ECRTL) steht seit November unter Konkursverwaltung durch die Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers (PwC). PwC erwartet, etwa 100 Millionen Dollar aus den derzeit offenen Kontrakten zu erwirtschaften, womit die Gläubiger einen Schaden von rund 900 Mill. Dollar zu verkraften hätten. PwC will am 11. Februar auf eine Gläubigerkonferenz die Verluste genauer dargestellen.
Auch in Europa Arbeitsplatz-Verluste
Unter Zwangsverwaltung entließ ECRTL rund 1.100 Mitarbeiter und hielt mit einer Kernmannschaft von 150 Personen einen Teil des Handelsbetriebs in Großbritannien aufrecht.
Zur Zeit des Zusammenbruchs im November hielt Enron den Angaben zufolge rund 250.000 offene Terminkontrakte mit entsprechenden Liefer- oder Zahlungsverpflichtungen. Enron sei zudem komplizierte Handelsverträge mit Banken eingegangen, was die Verluste vervielfacht habe, sagte ein Analyst.
Als einer der Handelspartner bezifferte der britische Gasanbieter Centrica im November seine möglichen Verlust mit 30 Mill. Pfund (48,7 Mill. Euro/671 Mill. S) auf Termingeschäften mit Enron. Die deutsche RWE nannte mögliche Verluste in einer Höhe zwischen zehn und elf Mill. Euro (bis zu 151 Mrd. S).

