Mittwoch, 23. Jänner 2002

Ein Monat Wettkampf-Pause für die Slalom-Artisten

Für Österreichs Slalom-Fahrer ist die Weltcup-Saison schon Fast vorbei. Jetzt beginnt das Warten auf Olympia, denn traditionell sind die Slalom-Bewerbe der "Schlusspunkt" der Alpin-Bewerbe. Fast auf den Tag genau einen Monat nach Schladming erst steht die Entscheidung in Deer Valley an, danach folgt ebenfalls nur mehr ein Rennen.

Und im Moment sind daher auch nur mehr vier Österreicher so richtig dabei. Rainer Schönfelder, Kilian Albrecht, Manfred Pranger und Benjamin Raich werden den ÖSV bei Olympia im Slalom vertreten. Beim Weltcup-Finale allerdings wäre Raich derzeit noch gar nicht startberechtigt, er kann das aber über die 400-Punkte-Regel noch schaffen. Dazu braucht er beim Riesentorlauf in St. Moritz noch 18 Punkte.

Der konstanteste Österreicher in dieser Saison war Rainer Schönfelder. Mit dem Sieg in Kitzbühel kehrte er zurück auf die Siegerstraße, auch in Schladming war er mit Nummer sieben als Vierter ausgezeichnet unterwegs, betrachtet man die Startnummern. "Ich habe nach dem ersten Durchgang gewusst, dass sich vielleicht noch der dritte Platz ausgeht, mehr aber nicht. Die anderen waren zu weit weg." Trotzdem: Schönfelder war in acht Saisonrennen vier Mal der beste Österreicher. Und er hat sich in Schladming unglaublich gesteigert. "Im Vorjahr beim ersten Tor eingefädelt, jetzt im Ziel - alleine das sind 200 Prozent besser."

Nun fallen Schönfelder auch die Termine leichter. Am Montag nahm er für den Warner-Konzern einen TV-Spot auf, und sein Lied "Schifoan" ist auf dem neuen Sampler "Top Of The Alps" vertreten. Den Abend hielt sich der 24-Jährige aber das erste Mal seit langem für einen Privattermin frei: Auf dem Programm stand in Wien ein Besuch beim Musical Hair. Danach geht es wieder zum Training.

"In Österreich werde ich noch ein paar Super-G-Schwünge probieren, um mich auf die Kombination vorzubereiten. Denn noch ein Rennen vor dem Olympia-Slalom ist ganz wichtig. Für mich geht es aber schon am 2. Februar in die USA, dort werden wir weiter Material testen, versuchen, die richtige Einstellung zu finden - und natürlich die Form zu konservieren." Auch in der Kombination bewies Schönfelder in St. Anton mit Platz vier, dass er Außenseiterchancen hat. "Immerhin war ich 1996 Junioren-Weltmeister. Aber man muss abwarten, wie sehr ich an meine Grenzen gehen kann."

Nummer zwei im österreichischen Team ist Kilian Albrecht. Der Student der Betriebswirtschaft ("Wenn ich fleißig bin, bin ich im Juli Magister") steuert nach seinem Materialwechsel - passend zum Thema seiner Diplomarbeit "Das Engagement von Ausrüstungsfirmen im Skisport" - im Dezember immer weiter Richtung Spitze. Dazu hat der 28-Jährige Konstanz gefunden, Ausfälle unterliefen ihm zuletzt immer seltener. Und auch im zweiten Durchgang von Schladming bewies er, dass er für den Sieg immer reifer wird. Für Albrecht ist die lange Pause ebenfalls kein Problem. Auch er will sich auf die Kombination vorbereiten. "Und eines ist sicher: Nachdem die Slalom-Ski noch kürzer geworden sind, werden die ersten Schwünge mit den langen Skiern sicher nicht einfach."

Der Dritte im Bunde ist der junge Tiroler Manfred Pranger. In Schladming wollte der Wipptaler aufs Podest - und riskierte zu viel. Doch ist der knapp 24-Jährige ein Arbeiter, sucht immer nach Möglichkeiten, sich zu verbessern. Und verunsichern lässt er sich durch einen Ausfall nicht. "Ich weiß, was ich kann. Und ich weiß, warum ich ausgefallen bin. Daran werde ich weiter arbeiten."

Die lange Pause kann für Raich nur positiv sein. Denn der Titelverteidiger im Slalom-Weltcup rangiert derzeit nur auf Platz 27 in dieser Wertung, ein magerer sechster Platz steht zu Buche. Doch alle vertrauen auf den Pitztaler, denn auch er weiß, er kann nach wie vor schnell sein. "Ich werde weiter daran arbeiten, es auch ins Ziel zu bringen. Und ich bin mir sicher, dass ich mit dieser Situation fertig werde." Trainer Gerd Ehn baut jedenfalls weiter auf seinen "Musterschüler" der Vorsaison. "Wir alle wissen, dass es von einem Tag auf den anderen passieren kann."

23.1.2002 13:33