Montag, 21. Jänner 2002

"Schöne" kehrte auf die Siegerstraße zurück

Vor dem Start in Kitzbühel dampften bei Rainer Schönfelder die Ohren. "Weil ich neben dem Kachelofen gesessen bin", wie er betont. Für ihn war es ein gutes Omen. "Weil ich gewusst habe, dass es nur gut sein kann, wenn ich so heiß fahre, wie meine Ohren waren." Gesagt getan, nach fast zwei Jahren fuhr der 24-Jährige zum zweiten Mal in einem Weltcup-Rennen ganz nach oben. Noch dazu in Kitzbühel.

Keiner kann Erfolge im Moment so schön feiern wie Schönfelder. Und keinem der aktuellen Skifahrer liegt die Show so sehr im Blut. Und wohl auch kein zweiter Österreicher war - gerade beim Nachtslalom in Schladming so "frech" zu behaupten, irgendwann eine Euphorie a la Tomba auslösen zu wollen. Doch Schönfelder ist irgendwie Programm. Ein Intellektueller des Skisports, blitzgescheit und eloquent, ein Außenseiter mit Rastalocken und eigener CD. "Weil es mir einfach gefällt, zu singen, weil ich schon als kleiner Bub bei jedem Fest irgendwann auf der Bühne gestanden bin und zum Mikrofon gegriffen habe", wie er erklärt.

Sieg in Tomba-Manier gefeiert
Und so feierte in Kitz seinen Sieg auch in Tomba-Manier. "Und ich bin stolz, wenn ich mit ihm verglichen werde. Immerhin habe ich ja noch einiges zu gewinnen, damit ich auf einer Stufe mit ihm bin." 48 Weltcupsiege, fünf Olympia- und vier WM-Medaillen, um genau zu sein. Doch Überraschung war es keine, im Gegensatz zur Premiere vor zwei Jahren. "Dazwischen war ich Zweiter, Dritter, Vierter zuletzt in Wengen. Ich wusste, ich hab's drauf!"

Keinem wurde in dieser Saison aber wohl auch so oft nahe gelegt, auf seine Ausflüge ins Showgeschäft zu verzichten. Denen sagt er nach seinem Sieg nur eines: "Ätschibätsch!" Denn für ihn ist sein Ausflug in die Sangeswelt keine Ablenkung, im Gegenteil: "Mir gibt das etwas, wenn ich auf der Bühne stehe und Menschen erfreue. Also ist das ganze für mich Rückenwind und nicht Gegenwind." Und zudem ist der Bleiburger ein helles Köpfechen. "Ich weiß genau, wie viel Zeit ich mir leisten kann. Und der Sport steht im Vordergrund. Deshalb habe ich nach der Vorstellung in Sölden auch nur etwa zehn Auftritte absolviert."

Jetzt folgt Schladming, wo "Schöne" im Vorjahr eine seiner bittersten Stunden erlebte. "Ich bin beim ersten Tor eingefädelt. So was sollte mir nicht mehr passieren." Denn grundsätzlich ist er ein Fan von Nachtrennen, "schließlich bin ich auch ein Nachtmensch". Aber es gibt auch praktischere Gründe: "Auf Grund meiner Kontaktlinesen kommt mir dieses helle, immer gleichmäßige Licht sehr entgegen." Spricht also nichts gegen eine Fortsetzung des Erfolges.

21.1.2002 15:18