Schwarzes Leid, rote Freude

Die Regierungskrise nach dem Temelin-Volksbegehren beschert der Opposition ein demoskopisches Hoch. Das Klima war für die SPÖ noch nie so günstig. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel stürzt in einer OGM-Umfrage ab, während auch die Blauen vom Krach profitieren.
Neues rotes Selbstbewusstsein? Die SPÖ kann es sich leisten, liegt sie in neuen Umfragen schließlich ausgesprochen gut: Wie das Meinungsforschungsinstitut OGM im Auftrag von FORMAT erhob, führt die SPÖ in der Sonntagsfrage unangefochten mit 35 Prozent Wählerzustimmung. Die Kanzlerpartei ÖVP liegt bei nur 26 Prozent, Koalitionspartner FPÖ bei 25 Prozent. Die Grünen liegen stabil bei 12 Prozent ihnen hat das Reizthema Temelin weder genützt noch geschadet.
Das zerrüttete Bild, das die Regierung rund um das Anti-Temelin-Volksbegehren der FPÖ bot, nützte den Sozialdemokraten zusätzlich: Ein Drittel aller Befragten meint, die Stimmung sei für die SPÖ momentan besonders günstig. Zum Vergleich: Nur 12 Prozent meinen, das Klima sei für die ÖVP momentan günstig, 14 Prozent würden der FPÖ bei Neuwahlen gute Chancen geben und immerhin 19 Prozent attestieren den Grünen Aufwind.
DER KANZLERMALUS. Obendrein könnte Gusenbauer, der selbst über keine guten Persönlichkeits- und Sympathiewerte verfügt, von der Schwäche des Kanzlers profitieren. Laut OGM-Umfrage möchte nur noch eine Minderheit von 40 Prozent den Kanzler auch in Zukunft am Ballhausplatz sehen. Im Dezember 2000 wollten noch 55 Prozent der Österreicher Schüssel auch nach der nächsten Wahl als Kanzler behalten. Der Grund: Vor allem die freiheitlichen Sympathisanten lehnen den ÖVP-Kanzler immer stärker ab, im Dezember 2000 waren 84 Prozent der Haider-Wähler mit Schüssel als Kanzler zufrieden, heute sind es nur magere 41 Prozent.
OPPOSITIONSBONUS. Die in der Temelin-Frage ganz und gar nicht soften Freiheitlichen konnten dagegen erstmals seit Monaten wieder zum Koalitionspartner aufschließen. Nach der jüngsten OGM-Sonntagsfrage liegt die FPÖ mit 25 Prozent nur einen Prozentpunkt hinter der Kanzlerpartei. Augenscheinlich goutierten viele Wähler den Zwischenwahlkampf der FPÖ in der Temelin-Frage, inklusive rauher Töne gegenüber dem Koalitionspartner.
Weitere Infos und alle Daten der FORMAT/OGM-Umfrage finden Sie in der neuen Ausgabe von FORMAT.
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