Schmuggel mit Anabolika im Wert von 1,3 Mio. Euro

Drei Tonnen beschlagnahmter Anabolika-Präparate, zwei suspendierte Beamte der Sondereinsatzgruppe WEGA der Wiener Polizei: Je mehr Details am Wochenende im Fall des in Ostösterreich aufgeflogenen illegalen Anabolikaimports bekannt werden, um so deutlicher wurde das Ausmaß des Schmugglerrings.
Die Ware stammte aus Südamerika, Asien und dem ehemaligen Ostblock und war für EU-Länder bestimmt. Major Friedrich Benda von der Zollwache Oberösterreich zeigte sich zuversichtlich, dass man diesmal "auch die Hintermänner erwischen" werde. Seine Behörde hatte die Machenschaften aufgedeckt.
Den ersten konkreten Hinweis auf den Schmugglerring hatte den Zollfahndern ein aufmerksamer Linzer Postmitarbeiter geliefert, dem im November des Vorjahres ein verdächtiges, aufgerissenes Paket auffiel. Seither verfolgten die Ermittler diverse Spuren. Es gab allerdings zunächst noch keine Hinweise auf die Täter, da die Adressen auf den Paketen alle fingiert waren. Im Zuge der Ermittlungen wurden 45 Lieferungen mit insgesamt etwa 800 Kilogramm Inhalt abgefangen, in zwei als "Zwischenlager" genutzten Wohnungen in Wien und im Großraum Tulln fand die Zollwache ebenfalls große Mengen Anabolika - Tabletten und Ampullen.
Bei den Ermittlungen in Tulln stießen die Fahnder aber auch auf verdächtige Angehörige der Exekutive in Wien: Einem Angehörigen der Sondereinsatztruppe WEGA gehörte eine der Wohnungen, wo Anabolika gefunden wurden. Er und ein Kollege dürften nach den Erhebungen der Zollbehörden in den Schmuggel verwickelt gewesen sein. Die beiden dürften für Schmuggelfahrten von nach Tschechien und retour sogar extra zwei Autos angeschafft haben, um damit die heiße Ware transportieren. Insgesamt sollen die Beamten jedenfalls 16 solcher Fahrten abgewickelt haben. Sie wurden am Samstag vom Dienst suspendiert. Das bestätigte am Sonntag eine Sprecherin der Wiener Polizei.
Insgesamt konnten - so die Angaben aus Oberösterreich - drei Tonnen der illegalen Ware mit einem Schwarzmarktwert von etwa zwei Mill. Euro sichergestellt werden. In einer der Wohnungen waren - illegal in Österreich aufhältige - Frauen damit beschäftigt, die Anabolika aus ihren Originalverpackungen in - extra produzierte - neue EU-Verpackungen umzuschichten, denn ein Großteil der sichergestellten Ware, war für EU-Länder bestimmt.
"Hier waren absolute Profis am Werk" kommentierte Benda die Vorgangsweise der Schmuggler. Alles sei generalstabsmäßig geplant und organisiert worden. Die Ermittler gehen von einem internationalen Täterkreis aus, der im ehemaligen Ostblock und in der EU tätig ist. Die Dimension sei derzeit noch nicht abschätzbar, der Schwerpunkt dürfte aber in Tschechien liegen, so Benda.
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