Samstag, 26. Jänner 2002

Polizei setze Tränengas ein

Die anhaltende Finanzkrise Argentiniens hat am Feitag erneut tausende Menschen auf die Straße getrieben. In Buenos Aires machten die Demonstranten ihren Ärger mit lautem Getrommel deutlich. Zunächst blieb der Protest friedlich, als die Mehrheit der 10.000 Demonstranten die Innenstadt verlassen hatte, kam es jedoch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei.

Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Menge vor. Ähnliche Protestaktionen gab es auch in anderen Provinzstädten.

Ausländische Banken in der Innenstadt waren vorsorglich verbarrikadiert worden. Die Empörung der Argentinier richtet sich vor allem gegen die Beschränkung der Bankgeschäfte. Bankkunden können nur eine gewisse Summe in Peso abheben, obwohl viele ihre Ersparnisse in Dollar angelegt haben. Die Regierung von Präsident Eduardo Duhalde erklärte, eine Aufhebung der Beschränkungen würde zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems führen. Der Kongress hatte ein Gesetz verabschiedet, nach dem die Zentralbank neues Geld im Wert von fast 13 Milliarden Dollar drucken darf. Mit dem Geld sollen Angestellte des öffentlichen Dienstes und ausstehende Rechnungen der Regierung bezahlt werden; Analysten warnten jedoch vor einer Inflation.

Auf Transparenten forderten die Demonstranten nicht nur eine Freigabe ihrer teilweise gesperrten Dollarguthaben, sondern auch ein Ende der Verschwendung öffentlicher Gelder zu Gunsten von Familienmitgliedern und Freunden der Politiker, Sozialleistungen für Arme, Renten für alte Menschen, Lebensmittelhilfen für Bedürftige und vor allem Arbeitsplätze.

Nach fast vier Jahren schwerer Rezession rutschen immer mehr Bürger des einst reichen Landes in die Armut ab. Die Schuld daran geben die Argentinier den als korrupt und unfähig beschimpften Politikern, denen sie vorwerfen, mit den Banken und den großen Unternehmen unter einer Decke zu stecken. Auch die Justiz, die als obrigkeitshörig gilt, hat ihren Kredit weitgehend verspielt. Seit Tagen fordern Tausende vor dem Gebäude des Obersten Gericht den Rücktritt der Richter. Der Zorn der Menschen richtet sich praktisch gegen das ganze, als unglaubwürdig geltende politische System.

Die Regierung des peronistischen Präsidenten Eduardo Duhalde suchte unterdessen weiter nach einem Ausweg aus der Krise. Mit ausländischer Hilfe kann sie so lange nicht rechnen, wie sie keinen überzeugenden Wirtschafts- und Finanzplan vorgelegt hat.

26.1.2002 08:27