Mittwoch, 23. Jänner 2002

Präsident Bush "an Österreich interessiert"

Voll des Lobes über die amerikanisch-österreichischen Beziehungen hat sich US-Botschafter Lyons Brown geäußert: Das beste Beispiel dafür sei das Treffen von US-Präsident George W. Bush mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September gewesen, zu einem Zeitpunkt, als Bush erst wenige Staatsführer empfangen hatte. "Präsident Bush ist sehr an Österreich interessiert."

Bisher habe Brown persönliche Kontakte mit etwa der Hälfte der Mitglieder der österreichischen Regierung - von beiden Koalitionsparteien - gehabt, sagte der republikanische Geschäftsmann, der kurz vor Weihnachten seinen Posten als Botschafter in Österreich angetreten hatte.

"Präsident Bush ist sehr an Österreich interessiert", führte Brown aus. Nach dem Kanzler-Besuch im Weißen Haus hofften die USA auf eine weitere Vertiefung der Beziehungen. Die Präsentation des F-16-Angebots vom gestrigen Dienstag sehe er auch als "einen Schritt in diese Richtung", verleugnete der Botschafter seine Business-Seite nicht. Ein hochrangiger US-General hatte am Vortag in Wien das Angebot des Lockheed-Konzerns für die Nachfolge der Draken-Abfangjäger präsentiert. Er sehe dieses Angebot "nicht so sehr vom Standpunkt der Verteidigung", so Brown. Die österreichische Seite habe das "offene und faire Angebot" gewürdigt und werde es studieren.

Die Verhängung von Sanktionen durch die EU-Partner gegen Österreich nach der FP-Regierungsbeteiligung habe ihn "überrascht", erklärte Brown auf Journalistenfragen. Immerhin sei diese Regierung in Österreich "demokratisch gewählt worden". Freilich waren "einige Bemerkungen" von Seiten der FPÖ "alarmierend", fügte der Diplomat hinzu. Die USA (noch unter einer demokratischen Regierung, Anm.) entschieden sich nach Ansicht Browns für die richtige Variante, nämlich die Entwicklung in Österreich genauestens zu beobachten.

Ausdrücklich dankte Brown, der sich als "Neo-New-Yorker" aus Kentucky bezeichnete, für die rasche Reaktion Österreichs nach den Terroranschlägen. "Im Namen der Amerikaner danke ich für die Unterstützung und die Freundschaft Österreichs", sagte der Botschafter. Am 11. September habe er sich in Washington aufgehalten, seine Frau sei in New York gewesen. Wochenlang stand New York nach der Katastrophe im Zeichen von Begräbnissen und Gedächtnisgottesdiensten.

Seinen Diplomatenposten in Österreich sieht Botschafter Brown als einen Wunschposten. Vor kurzem hielt er sich in den Vereinigten Staaten auf, um in Washington an der Konferenz der in Europa und Asien stationierten US-Botschafter teilzunehmen. In nächster Zeit will er sukzessive die Bundesländer besuchen. In der Bundeshauptstadt hat es bereits zahlreiche politische Kontakte gepflegt - mit Bundespräsident Thomas Klestil, zahlreichen Regierungsmitgliedern wie Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F), Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) und Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F), ferner mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) - beim Philharmonikerball, den er mit seiner Frau Alice besuchte.

Brown betonte auf Anfrage, er habe nie Anti-Amerikanismus verspürt, auch nicht nach dem 11. September, weder in Österreich noch anderswo in Europa. Er ergänzte, dass er sich auch vor der Berufung auf den Botschafterposten schon wiederholt in Österreich aufgehalten habe, und verwies im Gespräch auf die Verbundenheit seiner Familie mit Österreich. Browns Vater war 1933-39 Militärattache der USA in Österreich, seine Eltern heirateten 1935 in Wien.

23.1.2002 13:35