Dienstag, 22. Jänner 2002

Nach Anschlag auf US-Zentrum in Kalkutta

Die indische Polizei hat nach einem blutigen Anschlag auf das US-Kulturzentrum in Kalkutta durch 2 Attentäter mindestens fünfzig "Verdächtige" festgenommen. Es sei noch zu früh, über die Identität der Terroristen zu spekulieren, da die Augenzeugenberichte sehr unterschiedlich seien, sagte ein Ermittler. Bei dem Anschlag starben fünf Menschen.

Bei der Schießerei vor dem Büro des US-amerikanischen Informationsdienstes in der indischen Stadt Kalkutta waren Dienstag fünf Polizisten getötet worden. Mindestens 21 weitere Polizisten wurden verletzt. Zwei unbekannte bewaffnete Männer seien am frühen Morgen auf Motorrädern vor dem streng bewachten Haus vorbei gefahren und hätten auf die US-Einrichtung geschossen. Der Anschlag war genau auf die Zeit der Wachablöse abgestimmt.

Die Organisation Harkat-ul-Jehad-Islami habe sich in einem Anruf bei der Polizei als Urheber der Attacke bezeichnet, berichtete der indische Fernsehsender "Star News". Die Gruppe kämpft im indischen Teil Kaschmirs um den Anschluss der Region an Pakistan.

Unter den Festgenommenen sind zwei Staatsangehörige von Bangladesch und ein islamischer Geistlicher, sagte der Polizeichef von Kalkutta, Sujoy Chakraborty, am Mittwoch. Er sprach von "sicheren Hinweisen", wollte aber keine genauen Angaben zu den Ermittlungen machen. Andere Polizeiquellen gaben dagegen an, die Zahl der Festgenommenen gehe "in die Hunderte".

Keine Botschafts-Mitarbeiter verletzt
Nach Angaben des Pressesprechers der US-Botschaft in Neu Delhi wurden keine Beschäftigten der US-Einrichtung verletzt. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington bestätigte Schüsse in der nähe des amerikanischen Konsulats, ohne allerdings Einzelheiten nennen zu wollen.

Kalkutta ist die Hauptstadt des kommunistisch regierten Unionsstaates Westbengalen. Die Handelsmetropole ist des öfteren Schauplatz antiamerikanischer Proteste, die von Kommunisten und Gewerkschaften organisiert werden.

Die Attacke fand nach USIS-Angaben statt, als die Polizisten Schichtwechsel hatten. Nach Polizeiangaben wurden Sicherheitskräfte in dem gesamten Unionstaat Westbengalen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Derzeit befinden sich der Chef der US-Bundespolizei FBI, Robert Mueller, sowie der Leiter des Verteidigungs-Geheimdienstes DIA, Thomas Wilson, zu Besuch in Indien.

Attentäter von Kalkutta planen weitere Anschläge
Die Verantwortlichen für den tödlichen Überfall auf das US-Kulturzentrum in Kalkutta planen nach indischen Angaben weitere Anschläge. In einem Bekenneranruf an die örtlichen Behörden hätten die moslemischen Rebellen der Gruppe Harakat ul-Jihad Islami mit weiteren Attentaten in Delhi und im Unionsstaat Gujarat gedroht, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums.

22.1.2002 08:00