Waffenstillstand ab April geplant

Die Regierung in Bogota und die marxistischen FARC-Rebellen haben den gefährdeten Friedensprozess in Kolumbien im letzten Augenblick noch einmal gerettet und wollen Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufnehmen. Die Gespräche sollen sofort beginnen und nach einem festen Fahrplan spätestens bis zum 7. April mit einer Einigung abgeschlossen sein.
Präsident Andres Pastrana verlängerte daraufhin die um Mitternacht (06.00 Uhr MEZ Montag) abgelaufene Genehmigung für die entmilitarisierte FARC-Zone im Süden des Landes bis zum 10. April.
Bei den kommenden Verhandlungen, über deren Stand regelmäßig öffentlich berichtet werden soll, werde es auch um ein Ende der Gewalt gegen Zivilisten und der Entführungen durch die FARC gehen, teilten beide Seiten mit. Zurzeit befinden sich etwa 3000 Entführte in der Gewalt der Guerilleros. Die Rebellen setzten durch, dass auch über den Aufbau einer Arbeitslosenhilfe und eine verstärkte Bekämpfung rechter Paramilitärs durch die Streitkräfte gesprochen werden soll. Den "Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens" (AUC) werden jedoch beste Verbindungen zu bestimmten Teilen des Militärs nachgesagt.
Scheitern des Friedenprozesses vorerst abgewendet
Ein Scheitern des vor mehr als drei Jahren begonnenen Friedensprozesses wurde damit vorerst abgewendet. Hätten die FARC dem Fahrplan der Verhandlungen über den Abschluss eines Waffenstillstands nicht zugestimmt, wollte Pastrana die etwa dem Flächenausmaß der Schweiz entsprechende Zone militärisch zurückerobern lassen. 13.000 Soldaten standen dafür bereit. Auch ultrarechte paramilitärische Verbände hatten damit gedroht, in die Enklave einzurücken.
Die Einigung kam unter Vermittlung des UNO-Sondergesandten James Lemoyne, der Gruppe der zehn so genannten befreundeten Länder sowie Vertretern der Katholischen Kirche zustande. Der französische Botschafter und Sprecher der Unterstützergruppe für den Friedensprozess, Daniel Parfait, sagte, die Kolumbianer und die internationale Gemeinschaft verlangten nun "konkrete Fortschritte" bei den Friedensgesprächen. Lemoyne, der sich seit 11. Januar in der Sicherheitszone vermittelt, zeigte sich hoch zufrieden: "Ich freue mich für Kolumbien."
Verhandlungen mit FARC wegen dezentraler Struktur schwierig
Die Gespräche über eine Waffenruhe gelten jedoch als äußerst kompliziert, weil die weitgehend unabhängigen FARC-Einheiten im ganzen Land verteilt sind. Außerdem sind die AUC nicht in den Prozess mit einbezogen und könnten ihre Angriffe auch während einer Waffenruhe fortsetzen. In der Vergangenheit angekündigte Verhandlungserfolge hatten sich im nachhinein zudem oft nur als Vereinbarung erwiesen, trotz der Kämpfe miteinander zu sprechen.
Die FARC sind die älteste und mit 16 000 Männern und Frauen unter Waffen auch die größte Rebellengruppe des Landes. Durch Einnahmen aus dem illegalen Drogenhandel und durch die Erpressung von Lösegeldern sind sie sehr gut ausgerüstet.
Bürgerkrieg in Kolumbien: In 40 Jahren über 200.000 Tote
In dem seit fast vier Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg zwischen linksgerichteten Guerillagruppen, rechten Paramilitärs und Armee wurden in Kolumbien bislang mehr als 200.000 Menschen getötet. Pastranas Amtszeit endet am 7. August. Im März finden in Kolumbien Parlaments-, im Mai Präsidentschaftswahlen statt.
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