Sonntag, 20. Jänner 2002

Premier Karsai hofft auf rasche Auszahlung

Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan Hilfen in Höhe von insgesamt mehr als 4,5 Milliarden Dollar (70,3 Mrd. S/5,1 Mrd. Euro) für den Wiederaufbau des Landes versprochen. Die Vorsitzenden der Geberkonferenz in Tokio sprachen am Dienstag zum Abschluss ihrer zweitägigen Tagung von einem "großen Erfolg".

Der Finanzminister der afghanischen Übergangsregierung, Hedajat Amin Arsala, sprach von einer großzügigen Hilfe und versprach, die Hilfsmittel effizient zum Wohle der leidenden Bevölkerung und zur Sicherung von Stabilität einzusetzen.

Wie sich die Summe von 4,5 Milliarden Dollar im Einzelnen zusammensetzt, blieb zunächst unklar. In Konferenzkreisen hieß es, es handle sich möglicherweise nicht immer um direkte Geldzuwendungen. Dennoch zeigten sich die Konferenzteilnehmer mehr als zufrieden. Die Geberkonferenz habe "alle Erwartungen übertroffen", sagte die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. "Die internationale Gemeinschaft hat jetzt das wirtschaftliche und finanzielle Fundament für ein neues stabileres Afghanistan gelegt".

Für dieses Jahr belaufen sich die Zusagen auf "über 1,8 Milliarden Dollar". Die Delegierten von 82 Staaten und Organisationen einigten sich auf die schnelle Bereitstellung der Mittel. Die Geberkonferenz sagte Afghanistan zu, man werde dem Land langfristig zur Seite stehen.

Nach der Zusage der Gelder hofft der afghanische Regierungschef Hamid Karsai auf eine baldige Auszahlung der internationalen Hilfe. "Ich hoffe, die Zusagen werden in den nächsten Tagen umgesetzt", sagte Karsai in Tokio am Dienstag vor Journalisten. Dann könne seine für weitere fünf Monate amtierende Übergangsregierung den Wiederaufbau in dem von Krieg und Gewalt zerstörten Land vorantreiben.

Die afghanische Übergangsregierung versprach Transparenz, Effizienz und Zuverlässigkeit. Als Schwerpunktbereiche für den Wiederaufbau ihres kriegszerstörten Landes führte die Übergangsregierung unter anderem den Aufbau einer funktionsfähigen Verwaltung an. Weitere Priorität komme der Erziehung speziell von Mädchen, dem Gesundheitsbereich Infrastrukturmaßnahmen, der Entwicklung der Landwirtschaft einschließlich der Nahrungsmittelsicherheit und der Wasserversorgung zu.

In Kabul begann die Übergangsverwaltung am Dienstag mit der Auszahlung der seit sieben Monaten ausstehenden Gehälter an die Staatsbediensteten. Zunächst würden binnen einer Woche die Angestellten des Erziehungsministeriums ihr Geld erhalten, sagte der amtierende Zentralbankchef Abdul Firat. Die erforderlichen Mittel über acht Millionen Dollar habe das UNO-Entwicklungsprogramm zur Verfügung gestellt. Die noch ausstehenden Gehälter sollten ausgezahlt werden, sobald weitere Gelder zur Verfügung stünden.

20.1.2002 22:24