Afghanistan braucht für Zukunft stabile Währung

Nach 23 Jahren Krieg sind die Tage der ramponierten afghanischen Währung, dem Afghani, anscheinend gezählt: Der Afghani könnte nach Einschätzung des Generaldirektors des Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), Yoshihiro Iwasaki, vom US-Dollar ersetzt werden, um die afghanische Wirtschaft zu stabilisieren.
"Verschiedene Stammesfürsten können Geld drucken. Das muss kontrolliert werden", sagte Iwasaki am Samstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Ab Montag findet in Tokio eine internationale Geberkonferenz statt, die über Hilfen für den Wiederaufbau Afghanistans beraten soll.
Der Schlüssel zu dem Wiederaufbauprogramm wird die Einführung einer stabilen Währung sein. Bereits vor den US-Luftangriffen, die am 7. Oktober begannen, hatten jahrelange Kämpfe im Land verheerende Wirkung auf die Wirtschaft und die Währung. Stammesfürsten in verschiedenen Teilen des Landes druckten nach eigenem Ermessen Afghanis. Es entwickelte sich ein komplexes System, in dem die Währung in unterschiedlichen Teilen des Landes einen unterschiedlichen Wert hatte.
Afghanistan braucht weltweit konvertierbare Währung
Die Übergangsregierung müsse als Erstes aufhören, Afghanis auszustellen, sagte Iwasaki. Der nächste Schritt wäre, eine neue Währung einzuführen, wie etwa den US-Dollar, die auf den Weltmärkten konvertierbar sei. "Im Moment gibt es tatsächlich vier oder fünf Währungen." Angenommen, die Regierung entschiede sich für den Dollar, sagte Iwasaki. In den darauf folgenden würden die Behörden den Wert des Afghani im Vergleich zum Dollar in den verschieden Landesteilen beobachten, während die Regierung zugleich eine Zentralbank einrichte und eine gesamtwirtschaftliche Politik entwickle.
"Das könnte drei bis vier Jahre dauern", sagte Iwasaki. "Es könnte auch schneller gehen. Es hängt davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft erholt." In dieser Zeit würden sich verschieden Wechselkurse zum Dollar einpendeln. Wenn das funktioniere und sich die Wirtschaft stabilisiere, würde die Zentralbank alle afghanischen Währungen integrieren, den Dollar als Basiswährung zurückziehen und neue afghanische Banknoten ausgeben.
In den Straßen der Hauptstadt Kabul hat sich der Handel mit Afghanis seit den Anschlägen auf die USA am 11. September stürmisch entwickelt. Nach dem 11. September war der Afghani mit Kursen von 80.000 je Dollar gehandelt worden. Als die Taliban Kabul verließen, sank der Kurs auf 11.000 Afghani je Dollar. Zurzeit werden 37.000 Afghanis für einen Dollar gezahlt.
Geberkonferenz: Treuhänderfonds für Übergangsregierung
Bei der Geberkonferenz in Tokio werde ein Treuhänderfonds ein wichtiges Mittel sein, um die laufenden Kosten der Übergangsregierung zu begleichen, sagte Iwasaki. Die ADB, die Weltbank, die Vereinten Nationen (UNO) und die islamische Entwicklungsbank werden Iwasaki zufolge eine Gruppe formen, die die Hilfen verteilen werde. Der Auftrag, Afghanistan wieder aufzubauen, sei enorm, so etwa habe es noch nicht gegeben, sagte Iwasaki.

