Aktionäre könnten Konzept zu Fall bringen

RHI-Chef Helmut Draxler will nichts von der Vergangenheit wissen: Er will sich auf die Sanierung des in ein Debakel geschlitterten Feuerfestkonzerns konzentrieren. Ob ihm das gelingt ist allerdings fraglich. Von den Banken enttäuschte Aktionäre könnten seine Konzepte zu Fall bringen.
Der Feuerfestkonzern hat es geschafft, im Vorjahr 870 Millionen Euro zu verbrennen. Das ist deutlich mehr als der deutsche Autoriese Opel, der ebenfalls gerade einen Rekordverlust meldete. Ein Desaster dieser Größenordnung gab es in Österreich bisher nur beim Zusammenbruch der Aluminiumschmiede Amag und beim Konsum-Konkurs. Der als Sanierer geholte neue RHI-General Helmut Draxler, bis vor kurzem noch ÖBB-Chef, ließ gleich an seinem zweiten Arbeitstag bei RHI die Bombe platzen.
Sämtliche US-Firmen werden verkauft
Er werde sämtliche US-Firmen wegen der dortigen Risiken durch Asbestklagen auf Null abwerten und verkaufen, was den Löwenanteil des Bilanzverlusts ausmacht. Im FORMAT-Interview sagt Draxler: "Ich packe lieber jetzt alles rein, was geht, anstatt die Probleme mitzuschleppen."
Daß damit das Schlimmste überstanden ist, bleibt aber ein frommer Wunsch. Das Schicksal der RHI hängt am seidenen Faden, für Draxler wird das laufende Jahr ein Spiel mit dem Feuer. Es droht eine aktienrechtliche Sonderprüfung, die aufrollen soll, wer an dem US-Debakel wirklich Schuld trägt. Und es taucht die Frage auf, ob die Österreicher von den Verkäufern der US-Firmen Harbison Walker und AP Green beim Asbestrisiko über den Tisch gezogen wurden. Boß des damaligen Eigentümers dieser Unternehmen war übrigens der heutige Vizepräsident der USA, Dick Cheney.
Außerdem liegt Zoff zwischen Banken und Aktionären in der Luft. Um die RHI zu retten, legte der neue Chef Draxler einen Sanierungsplan vor,wonach die Banken 400 Millionen der insgesamt knapp 1,1 Milliarden Euro Schulden in ein eigenkapitalähnliches Darlehen – sogenanntes Mezzaninkapital – umwandeln. Zudem sollen 144 Millionen Euro frisches Kapital aus einer mit sechs Prozent verzinsten Anleihe kommen. Feuerwehrmann Draxler, vollmundig: "Wir werden mit diesem Konzept sehr erfolgreich sein."
Einflußreiche Investoren meinen, das Sanierungskonzept bevorzuge die Banken zu Lasten der Aktienbesitzer. Der österreichische Investor Rupert-Heinrich Staller, der die RHI exakt analysiert hat und gute Kontakte zu deutschen Gesellschaftern wie dem Industriellen August von Finck unterhält, bringt die Kritik auf den Punkt: "Die Bankkredite werden bedient so gut es geht. Für eine Wertsteigerung des Konzerns im Sinne der Aktionäre bleibt wenig übrig." Viele Investoren wollen einen echten Forderungsverzicht der Gläubigerbanken über einen stillen Ausgleich – und nicht nur die Umwandlung von Krediten in später rückzahlbares Eigenkapital. Die Hauptversammlung im Februar verspricht somit Hochspannung. Denn die enttäuschten Aktionäre sollen der geplanten 144-Millionen-Euro-Anleihe zustimmen, ohne die das Sanierungskonzept wie ein Kartenhaus zusammenbräche.
Auslöser des RHI-Desasters: Sammelklagen Asbestgeschädigter in den USA
Platzt die Sache, muß Draxler zum Insolvenzrichter. Oder die Banken zahlen freiwillig. Auslöser des Desasters ist die Explosion von Sammelklagen Asbestgeschädigter in den USA. Rund 400.000 Fälle sind allein gegen die RHI anhängig. Gleichzeitig zahlen die ausgebluteten Versicherungen seit dem 11. September zäher und strengen wegen geringster formaler Fehler Prozesse an. Findige US-Anwälte haben das Thema Asbest entdeckt, um Firmen ins Eck zu drängen und dann sogar die Kontrolle zu übernehmen
Helmut Draxler will von der Vergangenheit nichts wissen. Er trommelt seine Zukunftsvision. Danach soll der Umsatz mittelfristig 1,4 auf 1,8 Milliarden Euro, die Umsatzrendite auf acht bis neun Prozent. "So verdienen wir genug, um locker Zinsen zahlen und das Eigenkapital aufstocken zu können." 2006 will Draxler 400 Millionen Euro an die Banken zurückzahlen. Die Dividende für die Aktionäre fällt die nächsten Jahre jedoch aus. Sie werden dafür von der Kursentwicklung profitieren."
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