Präsident räumt Verlust von Dollar-Guthaben ein

Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde hat indirekt den Verlust von Dollar-Guthaben in Milliardenhöhe für Hunderttausende Bürger eingeräumt. Die Bankeinlagen könnten nicht mehr "in der Originalwährung" zurückgezahlt werden, weil die Dollar schlicht "nicht da sind", sagte der Staatschef am Samstag in einem Interview. Der IWF hat eine eine neue Mission angekündigt.
Kurz nach seinem Amtsantritt Anfang Jänner hatte der Peronist Duhalde noch versprochen, dass jeder seine teilweise eingefrorenen Ersparnisse in der Währung zurückerhalten werde, in der er sie bei den Banken angelegt habe.
Angesichts der täglichen Massenproteste lockerte die argentinische Regierung am Freitag die Sperrung von Bankkonten teilweise. Die vollständige Freigabe der Konten gehört zu den Hauptforderungen der Zehntausenden Demonstranten, die täglich durch die Straßen der großen argentinischen Städte ziehen.
IWF plant neue Mission
Der Internationale Währungsfonds (IWF) plant, abermals eine Delegation nach Argentinien zu schicken. Wie die Vizedirektorin des IWF, Anne Krueger, am Freitag sagte, soll es bei dieser technischen Mission um Steuer- und Schuldenfragen gehen. Die Delegation könnte schon in der kommenden Woche in Buenos Aires eintreffen, fügte Krueger hinzu. Eine Abordnung des IWF, die sich mit dem Bankensystem befasst, hält sich seit Montag in Argentinien auf.
Der IWF fordert von Argentinien eine neue Geldpolitik, eine Reform des Bankensystems, einen realistischen Staatshaushalt und die Zustimmung zu einem Mechanismus für Neuverhandlungen mit den Gläubigern des Landes.
Krüger hat Argentinien auch vor zu starken Eingriffen in den Devisenmarkt gewarnt. In der chilenischen Hauptstadt Santiago sagte sie am Freitag, bisher habe die argentinische Zentralbank zwar vor allem zur Kursglättung in kleinerem Umfang Dollar gegen die Landeswährung Peso verkauft. "Ich denke, Interventionen in großem Umfang wären wahrscheinlich sehr fragwürdig".
Die argentinische Zentralbank hatte am Freitag am vierten Handelstag hintereinander in den Devisenmarkt eingegriffen, um zu verhindern, dass die Abwertung des Peso nach der teilweisen Freigabe des Wechselkurses außer Kontrolle gerät. Die Zentralbank nannte jedoch kein Volumen ihrer Intervention. Händlern zufolge hat die Notenbank US-Dollar bei Kursen um 1,85 Peso verkauft.
Präsident Bush sagte Duhalde Hilfe der USA zu
US-Präsident George W. Bush hat seinem argentinischen Kollegen Eduardo Duhalde die Hilfe der Vereinigten Staaten bei den dringend notwendigen Wirtschaftsreformen für das südamerikanische Land zugesagt. Bush und Duhalde hätten am Freitag ein "gutes" Telefongespräch über die ökonomischen Herausforderungen Argentiniens geführt, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. Entscheidend sei, dass die Regierung in Buenos Aires ein "dauerhaftes Wirtschaftsprogramm" vorlege. Ende des Monats wollen die argentinischen Minister für Wirtschaft und Äußeres, Jorge Remes Lenicov und Carlos Ruckauf, zur Vorstellung eines Reformprogramms nach Washington reisen.

