"Werden in Skandal-Welle untergehen!"

Der amerikanische Enron-Pleiten-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an: Inzwischen ist ein brisanter Brief einer Firmenmitarbeiterin an die Öfffentlichkeit gelangt. Demnach soll Firmenchef Kenneth Lay bereits zwei Monate vor dem großen Crash vom bevorstehenden Desaster gewusst haben. Der Energiegigant Enron war Anfang Dezember vom umsatzschweren Börsenliebling in die größte US-Firmenpleite der Geschichte gerutscht. Inzwischen wurden schwere Verfehlungen, Bilanzfälschungen und sogar Verbindungen zu Präsident Bush ruchbar. Inzwischen wird Enron an der Börse nicht mehr gehandelt.
Eine zunächst anonyme Finanz-Mitarbeiterin von Enron schlug Alarm über die präkere wirtschaftliche Situation des Energieriesen. In dem sieben Seiten langen Schreiben, das an Enron-CEO Kenneth Lay gerichtet war, werden stichhaltige Hinweise erwähnt, die Lays Mitverantwortung an der Mega-Pleite darlegen. Lay habe bereits im August 2001 von der schrecklichen finanziellen Schieflage von Enron gewußt, jedoch nicht gehandelt.
Die Angestellte Sherron Watkins, die nun von Finanz-Prüfern vernommen werden soll, schrieb unter anderem: "Ich fürchte, dass wir [Enron] in einer Skandal-Welle untergehen werden." Experten sehen in dem Schreiben eine wesentliche Hilfe bei der Aufklärung der Enron-Finanzgebahren. Die sieben Seiten enthielten "explosive Details", so ein Kongress-Prüfer.
Polit-Skandal? Bushs "alter Freund" bei Enron
Die engen Verbindungen zwischen dem bankrott gegangenen US-Energiekonzern Enron und US-Präsidenten George W. Bush werden nun von den US-Medien unter die Lupe genommen. Laut der "New York Times" waren Enron und sein Managment die "großzügigsten" Wahlkampf-Spender in der politischen Karriere des Texaners. Enron habe bereits den Wahlkampf Bushs um das Amt des Gouverneurs von Texas 1994 unterstützt, und zwar mit einer drei Mal so hohen Summe wie in die Kasse der demokratischen Gegenkandidatin und damaligen Amtsinhaberin Ann Richards geflossen sei. Insgesamt hätten die Enron Corporation und ihr Chef Kenneth L. Lay Bushs Wahlkämpfe mit mehr als 550.000 Dollar unterstützt.
Zwischen Bush und Enron-Chef Lay habe auch ein persönliches Naheverhältnis bestanden. In zwei Briefen aus den Jahren 1997 und 1999, die von der "NYT" abgedruckt wurden, zeigt sich der joviale Ton, der offenbar zwischen den beiden Männern herrschte. "55 Jahre bist du jetzt alt.Wow! Das ist wirklich alt. Gott sei Dank hast du so eine junge und schöne Frau", schreibt der damalige Gouverneur von Texas seinem "alten Freund" Lay im April 1997. Im Dezember 1999 bedankt sich Lay für einen handsignierten Druck mit offiziellem Siegel, ein Geschenk der Bushs. "Linda und ich sind so stolz auf euch und freuen uns schon darauf, euch im Weißen Haus zu sehen".
Enron-Manager des Insider-Handels beschuldigt
Die Topmanager des Pleite gegangenen US-Energieunternehmens Enron haben in den Monaten vor dem Kollaps Aktienpakete für mehr als eine Milliarde Dollar (1,12 Mrd. Euro/15,4 Mrd. S) verkauft. Eine New Yorker Bank wirft den Managern vor, Insiderwissen über die prekäre Finanzlage des einstigen Börsenlieblings ausgenutzt zu haben. Die Manager bestreiten das.
Enron-Chef Kenneth Lay machte durch den Verkauf von Enron-Aktien zwischen Anfang 1999 und Mitte 2001, fünf Monate vor dem Zusammenbruch, 101,3 Mill. Dollar. Damals waren die Aktien zwischen 31 und 86 Dollar wert. Vergangene Woche wurden sie für 66 Cents gehandelt.
Enron verbot Angestellten den Aktien-Verkauf
Zahlreiche der 20.000 Enron-Angestellten hatten ihre Lebensersparnisse im Pensionsfonds des Unternehmens und damit überwiegend in Enron- Papieren angelegt. Das Unternehmen erlaubte ihnen im Herbst, als sich das Debakel abzeichnete und der Aktienkurs im freien Fall war, keine Verkäufe. Tausende haben ihre Ersparnisse dadurch verloren.
Mit Bilanz-Fälschungen zum Umsatz-Wunder
Noch im Milleniumsjahr 2000 legte Enron eine beeindruckende Bilanz hin: Der Umsatz betrug 101 Mrd. Dollar (113,2 Mrd. Euro/1.558 Mrd. S), der Gewinn mehr als eine Mrd. Dollar. In der Liste der 500 wichtigsten US-Unternehmen des Magazins "Fortune" lag Enron auf dem siebenten Platz, weltweit auf dem 16. Das Problem dabei: Die Bücher enthielten nicht die ganze Wahrheit. Um die enormen Kosten für die Zukäufe zu verschleiern, gründete Enron unzählige Nebenunternehmen, in denen die Schulden vor den Augen der Investoren versteckt wurden.
Zu diesen Bilanztricksereien gesellten sich noch ungeschickte Investitionen und dubiose Transaktionen. Als die Misere immer offensichtlicher wurde, reagierten im vergangenen Jahr die Banken. Sie zogen Kreditzusagen zurück, Enron konnte Rechnungen nicht mehr bezahlen. Anfang Dezember leistete der Energiekonzern dann den Offenbarungseid. Er beantragte Gläubigerschutz und flüchtete sich so vorerst unter das schützende Dach des US-Konkursrechtes. Inzwischen wurden die "offiziellen" und "inoffiziellen" Außenstände zusammengerechnet. Sie ergeben einen Schuldenberg von rund 22 Mrd. Dollar.

