Dienstag, 15. Jänner 2002

870 Millionen € Verlust, 1 Milliarde € Schulden

Der österreichische Feuerfest-Weltmarktführer RHI zieht einen Schlussstrich unter sein Asbest-Desaster in den USA. Das reißt in der Konzernbilanz 2001 ein Loch von rund 870 Millionen Euro (knapp 12 Mrd. S). Trotzdem will der Konzern noch heuer in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Der neue RHI-Generaldirektor Helmut Draxler stellte heute in einer Pressekonferenz seine Pläne vor.

Mit dem Rückzug aus den USA gibt RHI Umsätze von etwa 400 Millionen Euro auf. Rund 150 Millionen Euro Geschäftsvolumen sollen in den USA erhalten bleiben, da der US-Markt als Exportmarkt von den bestehenden vier Standorten in Kanada und Mexiko aus weiter betreut wird.

Der Konzernumsatz wird sich heuer neu auf rund 1,4 Mrd. Euro belaufen, das EBIT soll 2002 zwischen 4 und 5 Prozent liegen.

Klagen in den USA verdoppelt
Die Klagen von Asbest-Geschädigten in den USA hätten sich gegenüber dem Vorjahr auf 400.000 verdoppelt, drastisch verschärft habe sich die Lage seit Herbst.

Der "Ausflug" der RHI in die USA - mit dem Kauf der Feuerfestgruppe von GIP/Harbison-Walker Ende 1999 - hat den Konzern netto mehr als eine halbe Milliarde Euro (rund 7 Mrd. S) gekostet. Rund 750 Mill. Euro macht die Abschreibung von Forderungen sowie Garantien und Patronanzen für das US-Geschäft aus. Dazu addiert sich ein operativer Verlust von über 50 Mill. Euro. Zählt man den Restrukturierungsaufwand dazu, beträgt der Gesamtverlust 870 Mill. Euro, die zur Gänze in der Bilanz 2001 untergebracht werden. Falls die US-Gesellschaften unbeschadet ihrer massiv steigenden Belastungen aus Asbesthaftungen verkauft werden können, kann RHI daraus noch Verwertungserlöse lukrieren, sagte Finanzvorstand Eduard Zehetner.

Der neue Vorstandsvorsitzende Helmut Draxler sprach von einem "tiefen chirurgischen Eingriff und keiner Blinddarmoperation", die RHI mit Hilfe der Gläubigerbanken (vor allem Bank Austria, Erste Bank und RZB) und nach einstimmigem Aufsichtsratsbeschluss vorgenommen habe. Mit der Dekonsolidierung der Standorte in den USA (zum 31. 12. 2001) reduziere sich der dortige Marktanteil von RHI von bisher 25 Prozent auf 7,5 Prozent. Der Weltmarktanteil der RHI sinke damit von 15 auf 11 Prozent, was aber weiterhin die Weltmarktführerschaft von RHI Feuerfest bedeute.

Als künftige Wachstumsmärkte für RHI Feuerfest nannte das zuständige Vorstandsmitglied Andreas Meier Asien - insbesondere China, ferner Lateinamerika sowie Osteuropa und die GUS-Länder. Die kanadische RHI-Tochter, mit 100 bis 150 Mill. Euro Umsatz, sei von den Asbestproblemen nicht betroffen.

Die weitere Konzernstrategie sehe die Konzentration auf das Kerngeschäft Feuerfest vor, wo RHI derzeit rund 1 Mrd. Euro umsetzt, sagte Draxler. Die mit duldsamer Hilfe der Gläubigerbanken beschlossene Bilanzsanierung, die die Liquidität von RHI weiter aufrecht hält, sieht folgendes vor: Für die 1,1 Mrd. Euro (15,14 Mrd. S) Bankverbindlichkeiten gibt es ein Stillhalteabkommen bis 2007. 400 Mill. Euro davon werden in nicht zins- und tilgungspflichtiges Mezzaninkapital (nachrangiges Kapital) gewandelt, für den Rest zahlt RHI Zinsen deutlich unter dem Marktniveau (Zehetner). Weiters wird eine nachrangige Wandelanleihe in Höhe von 144 Mill. Euro aufgelegt, für die die Banken im Ausmaß von 100 Mill. Euro garantieren.

15.1.2002 11:27