RHI-Aktien für 1 Stunde vom Handel ausgesetzt

Am Montag ließ RHI endgültig die "Asbest-Bombe" platzen: Wegen der bereits unkontrollierbaren Zahl von Asbest-Schadenersatzklagen ist der schwer angeschlagene österreichischen Feuerfestkonzern gezwungen, sein gesamtes US-Geschäft unter dem Dach der RHI Refractories Holding abzustoßen.
Für die RHI-Konzernbilanz 2001 wurde das Nordamerika-Engagement zum Milliardengrab: Durch Wertberichtigung von Forderungen gegenüber dem finanziell nicht mehr sanierbaren US-Konzernteil, Risikovorsorgen und Restrukturierungskosten erwartet der börsenotierte RHI-Konzern für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Jahresverlust von etwa 870 Mio. Euro - umgerechnet fast 12 Mrd. S. Die RHI-Aktie war am Montag Nachmittag für eine Stunde vom Handel ausgesetzt.
Mit den Hausbanken wurde vor dem Wochenende ein "Kapitalrestrukturierungspaket" geschnürt, das der RHI die Bilanzierung ermöglicht: Die Kreditinstitute, bei denen RHI mit mehr als 1 Mrd. Euro in der Kreide steht, verzichten für fünf Jahre für einen Teil ihrer Kredite auf Rückzahlung. Die Banken - allen voran Bank Austria, Erste Bank, Raiffeisen - werden bei RHI damit vorübergehend schlechter gestellt, das RHI-Eigenkapital "entlastet".
Verbindlichkeiten von 400 Mio. € werden umgewandelt
Konkret werden nun Bankverbindlichkeiten für 400 Mio. Euro in nachrangiges, zins- und tilgungsfreies Mezzanin-Kapital für fünf Jahre gewandelt. Der Rest des Bankschuldenbergs soll in dieser Zeit von RHI reduziert werden. Mitte Februar wird in einer außerordentlichen Hauptversammlung eine nachrangige Wandelanleihe über 144 Mio. Euro beschlossen. Zugleich löst RHI Gewinn- und Kapitalrücklagen von rund 400 Mio. Euro auf.
Mit der "Entkonsolidierung" aller US-Gesellschaften würden "weitere finanzielle Belastungen aus Asbestrisiken für die RHI abgewendet", so die RHI. Mit dem mit Bankenhilfe geschnürten Maßnahmenpaket könnten nun in Europa, Asien, Mittel- und Südamerika sowie Kanada die "operativen und finanziellen Verpflichtungen gegenüber allen Geschäftspartnern "verlässlich und dauerhaft erfüllt" werden.
Langfristige Finanzierung scheint gesichert
"Die langfristige Finanzierung ist gesichert und von den Banken garantiert", berichtete der RHI-Konzern am Montag Nachmittag. Endgültig fallen gelassen wurden die Sanierungspläne für die US-Beteiligungen, da "nicht mehr zu finanzieren". Derzeit sondiere RHI alle Möglichkeiten für eine Verwertung der US-Töchter. Neben der bereits für Chapter 11 angemeldeten Narco werden auch die GIT-Gruppe mit Harbison/Walker und A.P. Green zum 31. Dezember 2001 "entkonsolidiert".
RHI werde sich "auch ohne US-Gesellschaften im Kerngeschäft Feuerfest" mit einem Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro als Weltmarktführer behaupten, so das Unternehmen. Außerhalb der USA sei das Feuerfestgeschäft ertragreich, wird betont.
Der Aktienkurs war am Montagnachmittag für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels gab der Kurs erwartungsgemäß deutlich nach. Bis 16.45 Uhr notierte die Feuerfestaktie mit 4,80 Euro um 3,8 Prozent tiefer, gegen 17 Uhr betrug der Kursverlust nur mehr 1,8 Prozent. Ebenfalls mit Kursrückgängen quittierten Anleger schon seit Tagen das Engagement der Erste Bank, die nicht nur im Kreditkonsortium der RHI vertreten ist, sondern auch im Aktionärskreis.

