SPEZIAL: ALLE INFOS ZUM KITZ-WEEKEND

Das österreichische Ski-Team hat Kitz voll unter Kontrolle. Nach dem Doppelerfolg von Stephan Eberharter war das ÖSV-Team am Sonntag auch im Slalom eine Klasse für sich und fuhr wie im Vorjahr das Triple ein. Die zuletzt viel gescholtenen Slalomfahrer stiegen gerade in Kitzbühel wie Phönix aus der Asche. Rainer Schönfelder feierte seinen zweiten Weltcup-Sieg vor Kilian Albrecht, Manfred Pranger wurde Fünfter, der junge Vorarlberger Martin Marinac bei seiner Weltcup-Premiere sensationeller Zehnter.
Nachdem der Doppelsieg klar war, schwemmten die Emotionen über. Seit dem Sieg von Mario Matt, der im ersten Durchgang nach einer Schulterluxation w.o. geben musste, in Aspen hatte das verwöhnte österreichische Team auf einen Torlauf-Erfolg warten müssen. Doch gerade in Kitzbühel brachen die Dämme, der gordische Slalom-Knoten platzte. Die Jungen setzten Akzente, die Routiniers holten den Sieg. Mit 0,19 Sekunden Vorsprung setzte sich Schönfelder am Ende durch, der Slalom-Star der Saison, Bode Miller musste weitere 2/100 dahinter mit dem dritten Platz vorlieb nehmen.
Schönfelder euphorisch
"Um ehrlich zu sein, als es fix war, habe ich fast geplärrt", jubelte Schönfelder nach seinem zweiten Sieg. Der "Showman", in Todtnau vor zwei Jahren mit einem Kaufhaus-Ski erfolgreich, hatte im Dezember mit Rückenproblemen zu kämpfen, wechselte während der Saison auf einen "Eigenbau-Schischuh" und tüftelte am Material. "Ich bin immer näher herangekommen, hier habe ich gewusst, ich bin dabei. Wenn es passt kann es sich ausgehen. Dass es aber dann genauso läuft, wie man sich das vorstellt, ist natürlich eine Sensation", meinte der 24-Jährige.
Ein neuer Tomba?
Und diese Sensation kostete er vor "seinem" Publikum natürlich aus. Der Kärntner, der mit einer Coverversion des Ambros-Hits "Schifoan" den Sprung in die Charts schaffte, brachte das Publikum zum Tosen. "Schließlich habe ich ja vor einigen Jahren ein Versprechen abgegeben", sagte er mit einem Grinsen. In Schladming hatte der Mann mit den Dreadlocks einmal behauptet, wie Tomba die Emotionen wecken zu wollen. Diesmal hat er das geschafft. "Es dauert bei mir vielleicht ein bisschen länger. Aber ich habe nie an mir gezweifelt, wie vielleicht andere. Und dann gleich in Kitzbühel zu gewinnen, ist natürlich unfassbar."
Albrecht: "Das war noch nicht alles"
Aber auch Kilian Albrecht war zu Tränen gerührt. Der Druck fiel ihm wie ein ganzes Bergwerk von den Schultern. "Ich habe immer gewusst, ich kann's. Die Freude am Ski fahren ist wieder da", erklärte er. Sein Problem: "Der Druck auf mir war gewaltig. Für Olympia habe ich ein gutes Resultat gebraucht, wenn es hier nicht gegangen wäre, dann wäre es sehr eng geworden. Aber jetzt habe ich's geschafft und ich kann versprechen: Das war noch nicht alles. Ich kann noch schneller sein." Bedenkt man, dass Albrecht erst im Dezember auf neue Bretter (Nordica) umgestiegen ist, kann man das Glauben.
Pranger erreicht beste Weltcup-Platzierung
Doch nicht nur diese Beiden erfreuten das Herz der heimischen Fans. Denn auch Manfred Pranger setzt seine gute Saison fort. Mit Platz fünf war der Tiroler so gut wie noch nie. "Für mich ist das alles wie ein Traum. Vor drei Jahren war ich noch bei FIS-Rennen unterwegs, jetzt fahre ich mit der Weltcup-Elite mit", sagte er. "Ich war nur fast übermotiviert, weil das Publikum so sensationell war. Aber auch daran werde ich noch arbeiten."
Newcomer Marinac sensationell
Die Überraschung des Rennens ging dabei fast unter. Der 22-jährige Martin Marinac aus Vorarlberg, der auf dem "Ganslern" seine Weltcup-Premiere erlebte, fuhr den Stars im zweiten Lauf fast um die Ohren. Mit zweitbester Laufzeit katapultierte sich der Gaschurner vom 26. noch auf den zehnten Platz nach vor. "Besser geht's fast nicht", jubelte der mit Nummer 55 ins Rennen gegangene Marinac. "Aber ich habe vom Europacup her gewusst, dass ich mithalten kann." Auch der dritte Vorarlberger, Pierre Egger, schlug sich als 22. beachtlich.
Raich außer Form
Das "Sorgenkind" bleibt Benjamin Raich. Mit schwerem Fehler im ersten und "absolut nicht zufrieden stellender" Fahrt im zweiten lieferte er nach dem schwarzen Tag von Wengen mit Rang 21 wieder ein schlechtes Ergebnis. "Im Moment geht's halt nicht, aber ich weiß, dass es bald passieren kann."
Aamodt holt Kombination
Den dritten Stockerlplatz an diesem Tag holte Michael Walchhofer, der in der Hahnenkamm-Kombination hinter den beiden Norwegern Kjetil-Andre Aamodt, der wie schon in Wengen überlegen siegte, und Lasse Kjus Dritter wurde.
| Herren-Slalom in Kitzbühel, Endstand |
| 1. | Rainer Schönfelder | AUT | 1:36,88 Min. | |||
| 2. | Kilian Albrecht | AUT | 1:37,07 | +0,19 | ||
| 3. | Bode Miller | USA | 1:37,09 | +0,21 | ||
| 4. | Giorgio Rocca | ITA | 1:37,41 | +0,53 | ||
| 5. | Manfred Pranger | AUT | 1:37,60 | +0,72 | ||
| 6. | Ivica Kostelic | CRO | 1:37,69 | +0,81 | ||
| 7. | Drago Grubelnik | SLO | 1:37,73 | +0,85 | ||
| 8. | Jean-Pierre Vidal | FRA | 1:37,93 | +1,05 | ||
| 9. | Sebastien Amiez | FRA | 1:38,00 | +1,12 | ||
| 10. | Martin Marinac | AUT | 1:38,14 | +1,26 | ||
| Mitja Kunc | SLO | 1:38,14 | +1,26 | |||
| 12. | Markus Larsson | SWE | 1:38,22 | +1,34 | ||
| 13. | Tom Stiansen | NOR | 1:38,34 | +1,46 | ||
| 14. | Kalle Palander | FIN | 1:38,44 | +1,56 | ||
| 15. | Pierrick Bourgeat | FRA | 1:38,48 | +1,60 | ||
| 16. | Tom Rothrock | USA | 1:38,53 | +1,65 | ||
| 17. | Mitja Dragsic | SLO | 1:38,56 | +1,68 | ||
| 18. | Alain Baxter | GBR | 1:38,57 | +1,69 | ||
| 19. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:38,66 | +1,78 | ||
| 20. | Jure Kosir | SLO | 1:38,86 | +1,98 | ||
| 21. | Benjamin Raich | AUT | 1:38,87 | +1,99 | ||
| 22. | Pierre Egger | AUT | 1:38,91 | +2,03 | ||
| 23. | Daniel Defago | SUI | 1:39,01 | +2,13 | ||
| 24. | Stephane Tissot | FRA | 1:39,05 | +2,17 | ||
| 25. | Giancarlo Bergamelli | ITA | 1:39,42 | +2,54 |
| Endstand der Hahnenkamm-Kombination: |
| 1. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 3:33,24 Min. | (1:54,58-1:38,66) | ||
| 2. | Lasse Kjus | NOR | 3:39,10 | +5,86 (1:56,63-1:42,47) | ||
| 3. | Michael Walchhofer | AUT | 3:40,50 | +7,26 (1:55,72-1:44,78) | ||
| 4. | Andrej Jerman | SLO | 3:42,62 | +9,38 (1:58,27-1:44,35) | ||
| 5. | Paul Accola | SUI | 3:44,06 | +10,82 (1:56,48-1:47,58) | ||
| 6. | Stein Kristian Strand | NOR | 3:44,86 | +11,62 (1:58,47-1:46,39) | ||
| 7. | Kristian Ghedina | ITA | 3:47,22 | +13,98 (1:55,82-1:51,40) | ||
| 8. | Kurt Sulzenbacher | ITA | 3:48,32 | +15,08 (1:54,99-1:53,33) |
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