Samstag, 19. Jänner 2002

Fünf Österreicher unter den besten Neun

Adam Malysz kehrte am Sonntag vor über 40.000 begeisterten Zuschauern knapp drei Wochen vor dem ersten olympischen Bewerb bei seinem Heimspringen in Zakopane auf die Siegerstraße zurück. Der Pole gewann mit 131 und 123,5 Metern lediglich 0,6 Zähler oder 33 cm vor Sven Hannawald (130/125 m), Matti Hautamäki wurde Dritter. Bester Österreicher wurde wie am Vortag Andreas Widhölzl als Vierter. Mit Martin Höllwarth, Martin Koch, Wolfgang Loitzl und Stefan Horngacher landeten vier weitere ÖSV-Adler auf den Plätzen sechs bis neun. Andreas Goldberger komplettierte das Resultat als 13.

"Es ist uns heute noch besser gegangen als am Samstag. Vom mannschaftlichen Erfolg war es eigentlich überwältigend. Der Steff (Horngacher-Anm.) hat zwei gute Sprünge runter gebracht und auch der Wuff (Loitzl-Anm.) hat wieder ein Top-Ten-Ergebnis", freute sich ÖSV-Cheftrainer Toni Innauer. "Und nicht zu vergessen, dass Martin Koch im zweiten Durchgang den Besten um sieben Punkte davon gesprungen ist", ergänzte er. Der Kärntner verbesserte sich von Rang 19 auf Platz sieben.

Über 100.000 Fans jubelten Malysz zu
Innauer wird nach den Rängen zehn und acht von Wolfgang Loitzl beim ÖOC um den sechsten Springerplatz für Salt Lake City ansuchen. "Ich werde mich mit dem ÖOC zusammen telefonieren", meinte Innauer dazu.

Am Ende eines von der Begeisterung her selten da gewesenen Wochenendes in Polen, an dem über 100.000, teils fanatische Anhänger die Anlage in Zakopane stürmten, stand Malysz also nach seiner "Auszeit" bei der Vierschanzentournee wieder ganz oben auf dem Siegerpodest. "Es war hier eine unglaubliche Stimmung, die teilweise schon bedrohliche Ausmaße annahm. Am Sonntag hat man die beinahe ausufernde Situation aber in den Griff bekommen. So etwas habe ich nur noch am Kulm beim Skiflug-WM-Titel von Goldi erlebt", sagte Innauer. "Aber hier gibt es einen anderen Fanatismus als etwa in Deutschland. Hier kennen die Leute jeden Springer und sind totale Insider", war Innauer überrascht.

Hannawald von Punkterichtern benachteiligt?
Für Malysz war der 21. Weltcupsieg seiner Karriere, mit dem er übrigens in der ewigen Bestenliste auch Andreas Goldberger überholte, und der siebente dieser Olympiasaison wohl einer der schönsten. Vor einer derartigen Heimkulisse zu siegen, bedeutet für den Polen wohl auch die richtige Moralinjektion vor den Olympischen Spielen. An diesem Wochenende wurde jedenfalls der Nimbus der Unbesiegbarkeit von Sven Hannawald genommen. Der Deutsche landete nach fünf Siegen en suite zwei Mal auf Platz zwei, und beide Male trennte Hannawald nur ein halber Meter vom Sieg. Für DSV-Chefcoach Reinhard Heß Grund zur Kritik, denn er fühlte Hannawald von den Noten her benachteiligt. "Von den Noten her war das nicht ganz regulär", meinte Heß.

Zuschauer sogar am Schanzentisch
Der Weltcup in der Hohen Tatra war begleitet von teilweise chaotischen Zuständen. Am Samstag drängten sich nach Angaben des Veranstalters 80.000 statt der zugelassenen 40.000 Zuschauer an der Schanze und vor den Toren. Eintrittskarten sollen im großen Stil gefälscht worden sein. "Es war an der Grenze des Erträglichen", sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer, der den Probedurchgang unterbrechen musste, weil sich die Zuschauer am Samstag sogar am Schanzentisch und im Springerlager drängten.

Deutsche auf geheimes Trainingslager
Im Gesamt-Weltcup holt Hannawald nach 16 von 23 Wettbewerben mit 1.059 Punkten den Rückstand auf den vor Monatsfrist bereits enteilten Malysz (1.210) immer mehr auf. Allerdings kann Malysz bei den Springen in Hakuba und Sapporo weiter Punkte sammeln, während Hannawald wie auch die anderen für Salt Lake City qualifizierten deutschen Skispringer die anstrengende Japan-Reise auslässt und statt dessen ein geheimes Trainingslager absolviert.

Zakopane war also der letzte echte Vergleich der Weltbesten vor den Olympischen Spielen, denn auch einige andere Springer werden neben Hannawald und Co. Japan canceln. Von den Österreichern reisen Höllwarth, Widhölzl, Horngacher, Loitzl und Koch nach Japan. "Wir reisen dorthin, weil der Weltcup für uns wichtig ist. Wir können von den Wettkämpfen mehr profitieren, als sie uns schaden", begründete Innauer den Kurs.

Weltcup-Springen in Zakopane, Ergebnis:

1.
Adam Malysz
POL
262,10
2.
Sven Hannawald
GER
261,50 - 0.60
3.
Matti Hautamäki
FIN
251,90 - 10.20
4.
Andreas Widhölzl
AUT
245,10 - 17.00
5.
Martin Schmitt
GER
243,60 - 18.50
6.
Martin Höllwarth
AUT
241,50 - 20.60
7.
Martin Koch
AUT
240,20 - 21.90
8.
Wolfgang Loitzl
AUT
235,10 - 27.00
9.
Stefan Horngacher
AUT
233,50 - 28.60
10.
Robert Kranjec
SLO
232,50 - 29.60
11.
Risto Jussilainen
FIN
229,80 - 32.30
12.
Primoz Peterka
SLO
225,20 - 36.90
13.
Andreas Goldberger
AUT
222,80 - 39.30
14.
Janne Ahonen
FIN
222,70 - 39.40
15.
Tomasz Pochwala
POL
222,20 - 39.90
16.
Alexander Herr
GER
218,40 - 43.70
17.
Tami Kiuru
FIN
213,90 - 48.20
18.
Stefan Hocke
GER
212,50 - 49.60
19.
Robert Mateja
POL
208,90 - 53.20
20.
Damjan Fras
SLO
206,90 - 55.20
21.
Blaz Vrhovnik
SLO
206,10 - 56.00
22.
Roar Ljökelsöy
NOR
204,90 - 57.20
23.
Anders Bardal
NOR
204,10 - 58.00
24.
Veli-Matti Lindström
FIN
204,00 - 58.10
25.
Peter Zonta
SLO
203,90 - 58.20
26.
Igor Medved
SLO
201,60 - 60.50
27.
Lars Bystoel
NOR
201,00 - 61.10
28.
Marcin Bachleda
POL
196,40 - 65.70
29.
Christof Duffner
GER
189,70 - 72.40
30.
Dirk Else
GER
155,20 - 106.90

19.1.2002 15:41