Samstag, 19. Jänner 2002

"Dann werden wir kämpfen!"

ABU ALA, die Nummer drei der PLO, fürchtet langjährige Kämpfe, wenn Israel nicht bald ein Friedensangebot vorlegt. Der Arafat-Vertraute sprach vor dem jüngsten Terror-Anschlag in Israel mit FORMAT.

FORMAT: Sie verhandeln mit Schimon Peres über ein Abkommen, gleichzeitig aber war vor kurzem ein Schiff mit fünfzig Tonnen Waffen nach Gaza unterwegs. Verfolgen die Palästinenser eine Doppelstrategie?
ABU ALA: Dieses Schiff war nicht für uns bestimmt. Wir haben davon nichts gewußt. Wissen Sie, wie viele Waffen hier in der Gegend geschmuggelt werden? Überall! Ständig! Und wissen Sie auch, wo die einflußreichste Mafia für Waffenschmuggel sitzt? In Israel! Warum sollten wir Waffen von weither holen? Wenn wir Waffen wollen, dann können wir sie hier bekommen.

FORMAT: Wollen Sie denn Waffen?
ABU ALA: Solange es Hoffnung gibt, daß mit Verhandlungen ein Friedensvertrag erreicht werden kann, so lange ist unsere Strategie: reden, nicht kämpfen. Aber wenn die Israelis das nicht wollen, wenn sie die Besatzung aufrechterhalten wollen, dann werden wir sehr wohl kämpfen. Kein Zweifel. Fünf Jahre, zehn, zwanzig Jahre, was sollen wir denn sonst tun? Jitzhak Rabin hat gesagt: Man soll mit den Verhandlungen fortfahren, als ob es keinen Terror gebe. Und man soll mit den Terroristen umgehen, als gebe es keine Friedensverhandlungen. Da hatte er recht.

FORMAT: Trotz der Waffenruhe, die Jassir Arafat am 16. Dezember ausgerufen hat, gibt es nach wie vor Anschläge gegen Israelis. Hat Ihr Präsident nicht längst die Kontrolle über die militanten Gruppen verloren?
ABU ALA: Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand. Nur kann es auf Dauer nicht gutgehen, wenn die israelische Seite uns überhaupt nicht hilft. Weder sind die Straßensperren verschwunden, noch sind die Ausgangssperren aufgehoben worden. Die Palästinenser werden weiter gedemütigt. Die wirtschaftliche Lage in den Gebieten wird jeden Tag schwieriger. Die Arbeitslosigkeit steigt. Und zusätzlich bringt die israelische Armee ohne jedes Gerichtsverfahren weiter unsere Leute um.

FORMAT: Nehmen Sie an, daß Sie bei Ihren Gesprächen mit Schimon Peres zu einem besseren Ergebnis kommen können? Und selbst wenn, wird Israels Premierminister Ariel Scharon das Verhandlungsergebnis akzeptieren?
ABU ALA: Ich kenne Peres nun schon sehr lange und gut. Ich glaube nicht, daß er etwas mit mir vereinbaren würde, das er nicht bei seinem Volk durchsetzen kann. Er ist Außenminister seines Volkes, und ich nehme daher an, daß sein Wort auch in der Regierung zählt. Ob Scharon sich an ein Peres-Abkommen halten wird, das müssen Sie ihn fragen. Manchmal denke ich, sein Kampf gegen Arafat ist eine persönliche Angelegenheit. Wie Sie wissen, ging Scharon nach Beirut, und er wollte als israelischer Nationalheld zurückkommen. Statt dessen hat man ihn für sein Verhalten im Libanon aus dem Amt gejagt.

Das komplette Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT.

19.1.2002 14:15