Pastrana setzt Frist von sechs Tagen

Wenige Stunden vor Ablauf eines Ultimatums haben am Montag die kolumbianische Regierung und die links-gerichteten Rebellen der FARC neue Gespräche vereinbart. Die Verhandlungen würden sofort beginnen, sagte der Sprecher einer Gruppe von zehn so genannten "Befreundeten Staaten", die sich in die Krise eingeschaltet hatte.
Präsident Andres Pastrana setzte eine neue Frist von sechs Tagen, innerhalb derer die Rebellen ihre Friedensbereitschaft unter Beweis stellen müssten. Andernfalls werde die Regierung ihre Drohung wahr machen und die Kontrolle über eine Enklave im Süden des Landes übernehmen, die den Rebellen parallel zur Aufnahme von Friedensgesprächen 1999 zur Verfügung gestellt worden war.
Die Bedingungen für die Fortsetzung der Gespräche seien hergestellt, sagte der Sprecher der "Befreundeten Staaten". Der Vermittler der Vereinten Nationen (UNO), James LeMoyne, sagte, die Vereinbarung sei zwischen Präsident Andres Pastrana und dem Chef der Revolutionären Bewaffneten Kräfte (FARC), Manuel Marulanda, getroffen worden.
Die FARC akzeptierte in der Vereinbarung, dass die Sicherheitskontrollen der kolumbianischen Armee an den Grenzen der Enklave die Rebellen nicht gefährdeten. Zudem sagten sie die Umsetzung eines Abkommens aus dem vergangenen Jahr zu, nach dem es Verhandlungen über einen Waffenstillstand geben soll und die Rebellen ihre Entführungen beenden. Mit dem Lösegeld aus den Entführungen finanzieren die Rebellen teilweise ihren Unterhalt. Offiziellen Angaben zufolge sollen sie in einem Jahr bis zu 3.000 Menschen entführt haben.
"Dank dieser Vermittlung kann ich eine Fortsetzung des Friedensprozesses ankündigen", sagte Pastrana in einer Rede an die Nation, die am Abend im Fernsehen übertragen wurde: "Keine Entführungen, keine Angriffe auf die Zivilbevölkerung, keine Erpressungen, keine Massenentführungen auf den Landstraßen und keine Zerstörung der Infrastruktur mehr", betonte der Staatschef, schränkte aber ein: "Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht." Für die Entscheidung über ein Fortbestehen der Enklave bleibe weniger als eine Woche Zeit, fügte er hinzu. Pastrana hat das Bestehen der Enklave bereits neun Mal verlängert. Der Friedensprozess war seit seinem Beginn vor drei Jahren wiederholt ins Stocken geraten.
Die Menschen in der Enklave reagierten mit Freude auf die Fortsetzung der Gespräche. In der Stadt San Vincente fuhren die Menschen hupend durch die Straßen und schwenkten kolumbianische Fahnen. Im Land wurde die Vereinbarung als ein Sieg Pastranas und dessen neuen, härteren Haltung gegenüber den Rebellen bewertet. "Zum ersten Mal hat sich die Regierung entschlossen verhalten und hat die FARC dazu gebracht, ihren Standpunkt zu akzeptieren", sagte der ehemalige Armeechef Alvaro Valencia.
Der 47-jährige Pastrana hatte die Präsidentschaft mit dem Versprechen gewonnen, den seit 37 Jahren im Land andauernden Bürgerkrieg zu beenden. An dem Krieg sind zudem rechtsgerichtete paramilitärische Truppen beteiligt, denen enge Verbindungen zur Regierungsarmee nachgesagt werden. Mehr als 100.000 Menschen sind ums Leben gekommen.
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