Unterstützung für einstigen Favoriten Cox schwindet

Bei der Wahl eines Präsidenten des Europäischen Parlaments wird es diesmal turbulent zugehen: Ursprünglich galt als sicher, dass der Liberale Pat Cox die Nachfolge der aus dem Amt scheidenden Nicole Fontaine (Bild) antreten würde. Doch die Wahl am Dienstag in Straßburg verspricht spannend zu werden. Aussichtsreichster Gegenkandidat des Iren Cox ist der britische Abgeordnete David Martin von den Sozialisten.
Damit dürfte es erstmals in der Geschichte des 50 Jahre alten Parlaments ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den einflussreichsten Posten dieser EU-Institution geben. Den drei anderen Kandidaten, dem Franzosen Gerard Onesta von den Grünen, dessen Landsmann Francis Wurtz von den Vereinigten Linken und dem Dänen Jens-Peter Bonde von einer Splitterfraktion werden keine Chancen eingeräumt.
Der 49 Jahre alte Cox galt lange Zeit als gesetzt. Er steht der 52-köpfigen Fraktion der Liberalen im Europäischen Parlament vor. Doch die Unterstützung für den früheren Journalisten ist in den vergangenen Wochen geschwunden. Viele Parlamentarier, darunter auch von der konservativen EVP, haben Bedenken gegen die offensichtlichen Mauscheleien hinter verschlossenen Türen geäußert, die Cox das Amt sichern sollten.
Cox unterstützte Fontaine 1999 und verlangt nun Revanche
Vor drei Jahren hatte sich Cox damit einverstanden erklärt, die Konservative Fontaine zu unterstützen. Im Gegenzug versicherte die mit 232 Abgeordneten stärkste Fraktion der EVP unter ihrem Vorsitzenden Hans-Gert Pöttering, Cox bei der nächsten Wahl zu unterstützen.
Dem Kandidaten Martin ist es in den vergangenen Wochen dagegen gelungen, nicht nur die 181 Abgeordneten der Sozialisten hinter sich zu bringen, sondern er findet auch Unterstützer in den kleineren Fraktionen. Dabei bohrt er gerne in den Wunden seiner Gegner: "Die Entscheidung, wer uns in dieser Zeit führen wird, darf nicht hinter verschlossenen Türen zwischen zwei Fraktionsvorsitzenden entschieden werden."
Bei Gleichstand könnte Alter der Kandidaten über Wahl entscheiden
Um die Wahl zu gewinnen, muss ein Kandidat die absolute Mehrheit von 314 Stimmen auf sich vereinen. Angesetzt sind vier Abstimmungsrunden. Hat ein Kandidat nach der dritten Runde noch keine absolute Mehrheit erzielt, gehen die beiden Erstplatzierten in eine vierte Runde. Sollte es in der vierten Abstimmung ein Patt geben, ist der ältere Kandidat gewählt.
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