Zwei Palästinenser & ein israelischer Soldat getötet

Die Spirale der Gewalt im Nahen Osten dreht sich unvermindert weiter. Bei drei verschiedenen Zwischenfällen wurden im Westjordanland am Montag zwei Palästinenser getötet, darunter der Führer der militanten El-Aksa-Brigaden in der Stadt Tulkarem, Raid Karmi, sowie auch ein israelischer soldat.
Gleichzeitig rissen die israelischen Behörden in Ostjerusalem erneut Häuser von Palästinensern ab. Um der stetigen Eskalation zu begegnen, gründeten führende Politiker beider Seiten indessen eine Koalition für den Frieden.
Karmi kam bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Nähe von Tulkarem ums Leben. Palästinensische Sicherheitkreise machten Israel für den Anschlag verantwortlich. Israel nahm zu den Vorwürfen keine Stellung, erklärte aber, Karmi sei am Tod von neun Israelis schuld. Die El-Aksa-Miliz kündigte neue Anschläge gegen Israel an. Karmi hatte zugegeben, in mehrere tödliche Anschläge auf Israelis verwickelt gewesen zu sein. Im vergangenen Jahr überlebte er knapp einen israelischen Raketenangriff auf sein Auto. Nach Augenzeugenberichten hatte der 27-Jährige am Montag gerade sein Versteck verlassen, als der in einem Baum angebrachte Sprengsatz in die Luft flog. Ebenfalls in der Nähe von Tulkarem wurde am Montag auf einer Straße ein israelischer Soldat erschossen und ein weiterer verletzt. Wie israelische Sicherheitskreise mitteilten, ereignete sich die Tat in der Nähe der jüdischen Siedlung Shavei Shomron. Die El-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat, bekannten sich zu dem Angriff mit "Maschinengewehren", bei dem es "mehrere Opfer" gegeben habe.
Unter dem Schutz hunderter Soldaten rissen israelische Bulldozer unterdessen in Jerusalem fünf neu erbaute Häuser von Palästinensern ab. Während der Zerstörungsaktion im besetzten arabischen Ostteil der Stadt kam es zu einem Handgemenge zwischen Bewohnern und israelischen Soldaten. Die israelischen Behörden gaben für die Abrissaktion die Standarderklärung fehlender Baugenehmigungen an. Die Palästinenser beklagen dagegen, dass Israel ihnen systematisch Baugenehmigungen verweigere, um den arabischen Bevölkerungsanteil künstlich klein zu halten. Der Abriss von palästinensischen Häusern im Westjordanland und im Gaza-Streifen soll dagegen nach Angaben des israelischen Außenministers Shimon Peres gestoppt werden. Ein entsprechender Beschluss sei in einem Treffen zwischen ihm, Ministerpräsident Ariel Sharon und Verteidigungsminister Benjamin Ben Eliezer gefällt worden, erklärte Peres am Montag. Der Abriss dutzender Häuser in Rafah im Gazastreifen hatte in der vergangenen Woche eine stürmische Diskussion in der israelischen Öffentlichkeit entfacht.
Die EU hat erneut Besorgnis über die Zerstörung palästinensischer Einrichtungen durch Israel geäußert. Die Vergeltungsmaßnahmen der vergangenen Woche trügen "nicht dazu bei, die Ruhe wiederherzustellen und der Gewalt ein Ende zu bereiten", sagte am Montag eine Sprecherin von EU-Chefdiplomat Javier Solana in Brüssel. Dies gelte sowohl für die Zerstörung von Häusern in Ramallah als auch für die öffentlicher Einrichtungen wie des Flughafens in Gaza. "Die Verbindung zum Krieg gegen den Terrorismus ist nicht einfach zu sehen", unterstrich sie. Auch die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat die israelische Regierung wegen der Angriffe in den Palästinensergebieten kritisiert. Es sei "schwer erträglich", wenn Infrastruktur-Einrichtungen vernichtet würden, die mit europäischer Hilfe aufgebaut worden seien, sagte die Ministerin der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag. Für den israelisch-palästinensischen Konflikt gebe es keine militärische Lösung, betonte die Ministerin. Die Verhandlungen müssten wieder aufgenommen werden.
Gemäßigte israelische und palästinensische Politiker riefen am Montag bei einem Treffen im Westjordanland eine gemeinsame Koalition für den Frieden ins Leben. Der Initiative gehören unter anderen der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo, die Abgeordnete Hanan Ashrawi und der frühere israelische Justizminister Yossi Beilin an. Sie wollen sich gemeinsam um eine Wiederbelebung der Friedensgespräche bemühen.
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