Freitag, 11. Jänner 2002

Jahr 2001 schließt mit tiefroten Zahlen

Nach dem höchsten Verlust in der Firmengeschichte von rund 680 Mill. Euro (9,36 Mrd. S) will die Opel-Führung nun erstmals Lohneinschnitte bei den 36.000 Beschäftigten durchsetzen. Wie der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats im Werk Rüsselsheim, Peter Klein, am Freitag sagte, hat die Unternehmensleitung den Arbeitnehmervertretern einen "Horrorkatalog" von Leistungskürzungen vorgelegt.

Opel-Sprecher Karl Mauer lehnte zu Presseberichten über horrende Verluste und drohende Lohneinbußen jede Stellungnahme ab.

In Unternehmenskreisen wurden die tiefroten Bilanzzahlen am Freitag jedoch bestätigt. Darüber hinaus hieß es, die Kürzung übertariflicher Lohnbestandteile und des Weihnachtsgelds seien denkbare Szenarien. Die Löhne der Opel-Arbeiter liegen derzeit um rund 20 Prozent über dem Niveau des Flächentarifvertrags. Statt der tariflich fixierten 50 Prozent erhalten die Opelaner zudem ein volles 13. Gehalt als Weihnachtsgeld. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung ist allerdings zum Jahresende 2001 ausgelaufen.

Klein sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten noch keine Gelegenheit gehabt, über die Forderungen des Vorstands zu reden. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende betonte allerdings, die Belegschaft habe in den vergangenen Jahren bereits freiwillig auf Leistungen in Höhe Milliardenhöhe verzichtet. Daher sei die Bereitschaft der Arbeitnehmervertreter, zu weiteren Einbußen Ja zu sagen, überaus gering: "Wir sind da sehr eng gestellt."

Informierte Kreise widersprachen am Freitag der Darstellung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über forcierte Streichung von Stellen. Das Blatt hatte berichtet, der ursprünglich auf zwei Jahre angelegte Abbau von 1.600 Jobs im Rahmen des Sanierungsprogramms "Olympia" solle nun bereits bis Ende 2002 abgeschlossen sein. In Unternehmenskreisen hieß es dazu, da es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, sei die Firmenleitung darauf angewiesen, dass Angebote etwa zur Vorruhestandsregelung angenommen würden. Der Vorstand sei hier weitgehend von der Belegschaft abhängig.

Zahl der Opel-Stützpunkte soll um 600 sinken

Um die Kosten weiter zu drücken, will die Firmenleitung darüber hinaus die Zahl der Opel-Autohäuser und -Werkstätten von derzeit knapp 2.300 auf etwa 1.700 senken. Die Streichung einer Schicht in der Produktion des Astras im Bochumer Opel-Werk soll auf Frühjahr 2002 vorgezogen werden. Unklarheit herrscht in Rüsselsheim offenbar darüber, wie lange es dauern wird, bis die geplanten Sparmaßnahmen greifen werden. 2002 sei ein Umschwung hin zu schwarzen Zahlen kaum noch zu schaffen, hieß es aus Kreisen der Unternehmensleitung. Die "FAZ" hatte berichtet, Opel-Chef Carl-Peter Forster rechne mit einer Durststrecke von noch drei bis fünf Jahren.

Forster will die Bilanzzahlen des Unternehmens am kommenden Mittwoch in Frankfurt vorstellen. Für 2000 hatte das zum US-Konzern General Motors gehörende Unternehmen ein operatives Minus von rund 502 Mill. Euro (6,91 Mrd. S) ausgewiesen.

11.1.2002 21:20