Etwas leichter vor Berichtssaison

Die internationalen Leitbörsen haben sich in der abgelaufenen Handelswoche eine "Pause in der Aufwärtsbewegung" gegönnt und leichter tendiert. Das Geschehen sei von dem Warten auf die Unternehmensergebnisse zum vierten Quartal geprägt gewesen, meinte der Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Peter Brezinschek.
Die Indizes seien vor allem von Rückstufungen im Telekom-Sektor belastet worden, während Autowerte trotz mäßiger Nachrichtenlage behauptet notierten.
Weitere Enttäuschungen seien in den nächsten Tagen aber durchaus möglich, von den Unternehmensergebnissen selbst gebe es derzeit noch nicht viel Luft nach oben. Auf der anderen Seite baut Brezinschek darauf, dass genügend "schlummernde Liquidität" vorhanden sei. Sollten die Unternehmen in der anstehenden Berichtssaison einen positiven Ausblick auf die Geschäftsentwicklung bis zur Jahresmitte geben, werde es wieder zu einer Stimmungsaufhellung kommen.
Die Analysten der Erste Bank meinen hingegen, dass die Stimmung in den USA durch Aussagen der Notenbank Fed gedrückt worden sei. Laut diesen Statements verdichten sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung in den USA, weshalb nicht mehr mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei. Trotz einiger positiver Unternehmensmeldungen sei es den US-Indizes nicht gelungen, die nächsten Widerstandslinien nachhaltig zu durchbrechen, stellt man in der Erste Bank fest.
In der nächsten Woche startet die Berichtssaison fürs vierte Quartal auf breiter Front. 559 Unternehmen werden ihre Ergebnisse vorlegen, darunter Schwergewichte wie General Motors, General Electric, Citigroup, Intel oder Sun Microsystems. Insgesamt sehen die Erste Bank-Experten einen Gewinnrückgang im Standard & Poors 500 um 22 Prozent im vierten Quartal, fürs erste Quartal 2002 wird ein siebenprozentiger Ertragsschwund prognostiziert. Angesichts der Flut von Unternehmensergebnissen sei jedenfalls mit erhöhter Volatilität an den Börsen zu rechnen.
Unterm Strich befinden sich die wichtigsten Indizes zum Wochenschluss im roten Bereich. Der deutsche Leitindex DAX reduzierte sich im Wochenvergleich bis 17:30 Uhr MEZ um 1,5 Prozent auf 5.237 Punkte, während der Euro Stoxx 50 um 3,3 Prozent tiefer bei 3.693 Zählern notierte. Der Dow Jones Industrial zeigte sich um 1,7 Prozent leichter bei 10.081 Einheiten. Am schlimmsten erwischte es die Börsianer im krisengeschüttelten Japan, wo der Nikkei-225 um 4,0 Prozent unter dem Vorwochenschluss bei 10.442 Punkten aus dem Handel ging.

