Freitag, 11. Jänner 2002

Leiner/Kika Aufstand

Leiner/Kika hat für seine Lieferanten eine besondere Neujahrs-Überraschung parat. Der Konzern fordert von der Möbelindustrie rückwirkend zwei Prozent des Einkaufsumsatzes 2001 ein. Grund: Kosten der Euro-Umstellung. Der Betrag wird einfach mit offenen Forderungen saldiert.

Betroffen sind rund 35 österreichische Möbelproduzenten. Die Industrie ist empört. Sie sieht darin einen klaren Erpressungsversuch und weigert sich zu zahlen. "Wir lassen derzeit juristisch prüfen, ob die Vorgangsweise von Kika gegen das Kartellrecht verstösst", sagt Markus Wiesner, Vorstand des Verbands der Möbelindustrie.

Eine Frage des Selbstverständnisses
Der grösste Kika-Lieferant, Ada, hat dem Konzern bereits mitgeteilt, dass er nicht zahlen wird. Der Polstermöbelhersteller erzielt die Hälfte seines Geschäfts mit Leiner/Kika. Auch Voglauer erteilt dem Möbel-Riesen eine Absage: "Die Konditionen sind ausgereizt." Die Branche versucht einen Schulterschluss und will die Summe im Ernstfall auch einklagen.

Hersteller-Sterben droht
"Die Möbelindustrie ist klein strukturiert, viele sind in den roten Zahlen und fürchten um ihre Existenz", sagt Werner Anninger, Chef der Einkaufsverbände Garant und Wohnunion. Weigerten sich diese Betriebe, die gefordete Summe zu zahlen, drohe die Auslistung. "Zahlen sie, müssen sie zum Insolvenzrichter."

Unverständnis bei Leiner/Kika
Leiner/Kika-Chef Hermann Mayrhofer kann die Aufregung nicht verstehen. "Die Industrie kommt ständig mit Preiserhöhungen, die wir auch akzeptieren." Die rückwirkende Geldforderung sei eine einmalige Aktion. "Wir geben Preisvorteile an den Kunden weiter – davon profitiert auch die Industrie." Mayrhofer geht davon aus, dass die Lieferanten den "partnerschaftlichen Anteil" akzeptieren. "Wir haben ein amikales Verhältnis."

Einkaufsverband Atlas kündigt Kika
Die Zahlungsaufforderung an die Lieferanten hat jetzt jedoch Konsequenzen an anderer Front. Der deutsche Einkaufsverband Atlas hat Leiner/Kika die Mitgliedschaft mit 9.1. gekündigt. "Wir sind verärgert. Das Vorgehen des Konzerns entspricht nicht unserer Philosophie". Der Atlas-Verband integriert 14 Möbelkonzerne. Aussenumsatz: rund 3,5 Milliarden Euro.

In Deutschland gab es Mitte 2001 Aufregung um rückwirkende Geldforderungen eines Kaufhauses an Lieferanten. Der Fall ging vor Gericht, das Kaufhaus wurde ermahnt.

11.1.2002 09:37