Größte US-Pleite der Geschichte

US-Präsident George W. Bush hat eine umfassende Untersuchung der größten Firmenpleite in der Geschichte der Vereinigten Staaten zugesagt. Aus dem Kollaps des Energiekonzerns Enron müsse für die Zukunft gelernt werden, sagte Bush in Washington. Außerdem gehe es darum, wie die Mitarbeiter des Konzerns geschützt werden könnten.
Bush betonte zugleich, dass er selbst mit Enron-Chef Ken Lay nie über die Probleme des Unternehmens gesprochen habe. Enron war einer der führenden finanziellen Sponsoren Bushs, förderte aber auch eine Reihe oppositioneller Demokraten. Der Konzern steht im Verdacht, Bilanzzahlen gefälscht und so Kunden und Anleger getäuscht zu haben.
Das Justizministerium in Washington hatte bereits am Mittwochabend (Ortszeit) mitgeteilt, eine förmliche Untersuchung der Enron-Pleite eingeleitet zu haben. Neben gefälschten Geschäftszahlen soll es kurz vor dem Kollaps auch dubiose Zahlungen an einige Mitarbeiter gegeben haben. Ähnliche Untersuchungen führt schon der US-Kongress. Auch wurden mehrere Zivilklagen gegen Enron-Manager eingereicht.
Bush räumte ein, dass Enron-Chef Lay seine Präsidentschaftskandidatur unterstützt habe. Doch werde die Firmenpleite "voll untersucht". Der US-Präsident traf nach eigenen Angaben letztmals im Frühjahr 2001 mit Lay zusammen. Bush kennt den Enron-Chef schon aus früheren Zeiten in Texas. Lay war Leiter des von der Regierung des Bundesstaates eingesetzten Wirtschaftsrats, als Bush 1994 Gouverneur wurde. Bush beließ Lay damals auf diesem Posten.
Der Konzern hatte sich Anfang Dezember unter das schützende Dach des US-Konkursrechtes geflüchtet und Gläubigerschutz beantragt. Der größte Energiehändler der Welt steht mit rund 40 Mrd. Mark (20,5 Mrd. Euro/281 Mrd. S) in der Kreide. Dabei hatte im Jahr 2000 der Umsatz noch mehr als hundert Mrd. Dollar betragen und der Gewinn eine satte Milliarde. Um die enormen Kosten für Zukäufe zu verschleiern, gründete Enron aber unzählige Nebenunternehmen, in denen dann Schulden vor den Augen der Investoren versteckt wurden. Diese ergeben zusammen mit den "offiziellen" Schulden die 40 Mrd. Dollar.
Seltsame Geschäftspraxis: Buchprüfer von Andersen vernichten Akten
Die Wirtschaftsprüfer des Pleite gegangenen weltgrößten Energieunternehmens Enron (Houston/Texas) haben eine "bedeutende" Anzahl von Unterlagen aus den Wirtschaftsprüfungen des Unternehmens zerstört. Das teilte die von Enron engagierte Buchprüfer-Firma, Arthur Andersen LLP, mit. Die "geschäftspraxis" ist aber offenbar schon geändert worden.
Rentenfonds-System der USA zeigt Schwächen
Bush kündigte auch an, als Konsequenz aus der Enron-Pleite eine mögliche Reform der Rentenfonds zu prüfen. Tausende von Enron-Beschäftigten, die als Altersvorsorge in Aktien des Energieunternehmens investiert hatten, stehen nun ohne Rücklagen da.

