Mittwoch, 9. Jänner 2002

Optisch kleinere, in Wahrheit höhere Preise

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Die Euro-Bargeldeinführung ist ein zweischneidiges Schwert: Bis auf Irland wurden in allen Euro-Ländern die Preise optisch kleiner, in Wahrheit kletterten viele aber nach oben. Allein in Deutschland ist jede zehnte Preissteigerung im vergangenen halben Jahr auf die Euro-Umstellung zurückzuführen. Die Preise dort stiegen im Durchschnitt um 0,5 Prozent. Auch die Österreicher haben kein Vertrauen zu "Preisgarantien" der Wirtschaftskammer.

Auch in Österreich wurden bereits im Zuge der doppelten Preisauszeichnung Schwellenpreise auf runde Euro-Preise angepasst und oft aufgerundet. Der VKI (Verein für Konsumenteninformation) hat schon eine ganze Liste von Euro-Sünden veröffentlicht. Versuchen der Wirtschaft, die Bedenken der Konsumenten zur zerstreuen, wird kein großes Vertrauen geschenkt. Die Wirtschaftskammer hat eine Aktion „Euro-Preisgarantie“ ins Leben gerufen. Entsprechende Logos und Plakate finden sich in den Auslagen und Regalen vieler Geschäfte. Mit der „Euro-Preisgarantie“ verspricht ein Unternehmen, keine ungerechtfertigten Preiserhöhungen vorzunehmen und die Preise korrekt in Euro umzurechnen. 45 Prozent der Befragten halten dies für unglaubwürdig, vertrauenswürdig finden es lediglich 21 Prozent. Die Ablehnung dieses Logos zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen, auch unter den Selbständigen bringt nicht einmal jeder vierte dem Logo Vertrauen entgegen.

Eine Praxis, die nicht unbedingt gesetzeswidrig sein muss, wie AK-Experte Horst Roth bestätigt: "Der Händler kann die Preisanhebung zum Beispiel mit entstandenen Kosten durch den Erwerb einer neuen Euro-Kassa begründen."
Grundsätzlich kam es bisher laut Roth aber zu keinem extremen Preisschub durch die Euro-Bargeldeinführung.

Automaten nehmen 1 und 2 Cent nicht
Die letzte durch den Euro bedingte merkbare Preisänderung wurde bei Zigaretten festgestellt. Und das auf Grund eines Automatenproblems. Die Zigarettenautomaten nehmen als kleinste Münze das Fünf-Cent-Stück an. Roth: "Bei der Umrechnung in Euro wurden die Preise für einige Marken daher auf-, für andere aber abgerundet. Das hält sich die Waage."

Italien am stärksten betroffen
Am schlimmsten erwischt es aber die Italiener. Konsumentenschützer schlagen bereits wegen der Gefahr eines gefährlichen Inflationsanstiegs Alarm. Der Grund: Die Preise sind seit Jahresbeginn um 14 Prozent gestiegen. Jede Familie muss deswegen heuer 557 Euro mehr ausgeben, was auf nationaler Ebene Mehrausgaben von zwölf Milliarden Euro bedeutet.

Die italienischen Konsumentenschützer warnen, dass dadurch die Inflation im Jänner um 0,7 Prozent angeheizt werden könnte und fordern eine Entschädigung von 50 Euro pro Familie für die Mehrausgaben in der Umstellungsphase.

In Deutschland sorgt indes vor allem die Umrechnung der im Handel beliebten Schwellenpreise für Unmut. So wurden gemäss einer Studie des Kölner Instituts für angewandte Verbraucherforschung bei einem Drittel aller Waren die Preise zu einem Euro-Schwellenpreis verändert. In 72 Prozent der Fälle ging diese Preisveränderung aber nach oben. Für den Kunden ein Ärgernis, für den Kleinhandel aber oft überlebensnotwendig.

Durch die exakte Umrechnung auf Euro verliert der neue Preis seinen Lockcharakter, weil unschöne Cent-Beträge am Ende stehen. Daher wird ein Euro-Schwellenpreis gesucht. Geht es nach dem Gesetzgeber, muss abgerundet werden. Der nächstgelegene Euro-Schwellenpreis bedeutet aber in den meisten Fällen eine drastische Abrundung und einen Verlust für den Händler. So wären etwa 0,99 D-Mark nach exakter Umrechnung 0,51 Euro. Der nächstgelegene Schwellenpreis von 0,49 Euro würde einen Verlust von 3,2 Prozent bedeuten.

9.1.2002 08:39