Dienstag, 8. Jänner 2002

Sind die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt?

Sehr erfolgreich verlief auf der Fachmesse Macworld in San Francisco die Vorstellung des neuen iMac durch Apple-Chef Steve Jobs. Wie mit der ersten Generation des iMacsmöchte Apple mit dem neuen Design-Computer neue Erfolge feiern. Vom ersten iMac wurden seit Mai 1998 sechs Millionen Geräte verkauft. Die Neuauflage setzt auf revolutionäres Design und Flachbildschirme.

Der neue iMac besteht aus einer kleinen weißen Kugel - voll gestopft mit hochwertigen High-Tech-Komponenten wie dem PowerPC-Chip G4. Darauf wurde mit einem schwenkbaren Stahlarm ein schmaler, Flachbildschirm montiert, so dass der iMac wie eine große Designer-Schreibtischlampe aussieht. Apple verzichtet künftig komplett auf herkömmliche Röhrenbildschirme. Der Umstieg auf die digitalen Flachdisplays verteuert die neuen iMacs im Vergleich zur Vorgängergeneration um mehrere hundert Euro pro Gerät.

Deutlich teurer
Apple wird mit seiner konsequenten Entscheidung für die neue Bildschirmtechnologie und ein modernes Industriedesign nicht nur die Computerindustrie nachhaltig beeinflussen. Experten erwarten, dass der neue iMac die Designer auch außerhalb der Computerindustrie beeindrucken wird, so wie es der erste iMac 1998 getan hatte. Damals kamen sogar Bügeleisen im iMac-Design auf den Markt.

Außen hui, innen... ?
In einem beispiellosen PR-Coup gelang es Apple diesmal, den neuen iMac und Apple-Chef Steve Jobs auf das Titelbild des aktuellen Time Magazins zu hieven, noch bevor der neue Rechner auf der Macworld Messe in San Francisco vorgestellt worden war. Ob der neue iMac durch diese Vorschlusslorbeeren jedoch zum Verkaufserfolg werden wird, ist keinesfalls sicher. Gerade in Europa achten PC-Käufer häufig nur auf ein knallhartes Preis/Leistungsverhältnis. Aber auch in den USA, wo der erste iMac gut verkauft wurde, kam nicht jeder Designcomputer aus dem Hause Apple an: So wurde der Würfelrechner G4 Cube nach kurzer Zeit wegen mangelnder Nachfrage wieder vom Markts genommen. Landet Apple diesmal wieder einen Flop, könnte die Macintosh-Plattform in Gefahr geraten, die zuletzt weltweit nur noch einen Marktanteil von 2,8 Prozent hielt.

Mit Preisen von 1.299 bis 1.799 Dollar (bis zu 2.009 Euro/27.647 S) - ohne Mehrwertsteuer - in den USA bietet Apple nach Ansicht von Beobachtern die neuen drei iMac-Modelle vergleichsweise günstig an. Die Macintosh-Rechner sollen mit umfangreichen Softwarepaketen für die Rolle eines digitalen Verteilknotens für Digitalkameras, Kleinstcomputer oder MP3-Spieler geeignet sein.

8.1.2002 10:14