Montag, 7. Jänner 2002

Trinkl feierte als Zweiter sensationelles Comeback

Elf Tage lang schien kein Österreicher im Jahr 2002 in den Siegerlisten des alpinen Ski-Weltcups ganz oben auf. Am zwölften Tag rückten die österreichischen Abfahrer dieses Bild aber gerade beim Klassiker in Wengen wieder eindrucksvoll zurecht. Die ÖSV-Abfahrer feierten einen Dreifachsieg, nicht weniger als sechs Mann kamen in die Top sieben. Den Sieg holte sich Stephan Eberharter, der damit den nächsten Klassiker auf seine Rechnung schreiben kann, vor Weltmeister Hannes Trinkl, der ein sensationelles Comeback feierte.

Dritter wurde Pepi Strobl, einziger "Nicht-Österreicher" im Vorderfeld war als Vierter der Norweger Kjetil-Andre Aamodt, der damit auch Favorit für die Kombination ist.

Eberharter schaffte nach Gröden und Val d'Isere bereits seinen dritten Saisonerfolg in der Abfahrt und hat damit bisher alle "Klassiker" für sich entschieden. Am Samstag auch in überzeugender Manier. Oben noch hinter Pepi Strobl zurück, drehte "Steff" unten voll auf und war nicht mehr zu schlagen. Auch nicht von einem sensationellen Hannes Trinkl, der nach seinem Sturz in der Vorbereitung ein eindrucksvolles Comeback lieferte, immer schneller wurde und sich letztlich nur um 26 Hundertstel geschlagen geben musste. Der dritte ÖSV-Dreifacherfolg am Lauberhorn war damit perfekt.

Walchhofer gestürzt
Deshalb dauerte das Zittern für den mit der Nummer zwei in Rennen gegangenen Tiroler so lange, denn auch Michael Walchhofer war oben sensationell unterwegs, stürzte dann aber kurz vor dem Tunnel. Umso größer war die Erleichterung beim Weltcup-Führenden, der nun 300 Punkte Vorsprung aufweist. "Ich habe lange gezittert, weil ich im Ziel-S nicht optimal gefahren bin. Und Wengen war mir eine Herzensangelegenheit, denn wenn man ein großer Skifahrer sein will, dann muss man hier gewinnen, dann gehört man zu den Besten aller Zeiten", erklärter Eberharter, der nach dem dritten Abfahrtssieg eines weiß: "Der Olympia-Fixplatz ist mir jetzt wohl sicher!" Auch im Weltcup ist der Polster beruhigend, deshalb verzichtet Eberharter auch auf den Kombi-Slalom am Sonntag.

Steff holte sich Rennen im Mittelteil
Das Rennen holte sich Eberharter im Mittelteil, wo er den anderen viel Zeit abnahm. Dadurch konnte er sich auch noch den Fehler im Ziel-S leisten, obwohl es bei Trinkl noch knapp wurde. "Er hat mich schon in Bormio angerufen und gesagt, dass er nur zu Hause sitzt. Aber mir war klar, dass er dabei sein wird, er ist einfach einer der besten Abfahrer." Und das bewies der fast 34-Jährige eindrucksvoll, er wurde trotz der langen Pause immer schneller. "Wenn es noch ein Stückerl gegangen wäre, hätte er wahrscheinlich ohnehin gewonnen", meinte Eberharter.

Trinkl fuhr sensationell
Trinkl fiel ein Stein vom Herzen. "Um ehrlich zu sein war der Druck schon groß, denn ich wusste, dass ich vorne dabei sein muss, wenn ich zu Olympia will. Aber ein erster Schritt ist getan", sagte der Oberösterreicher, den es auch nicht verwunderte, dass er bei der längsten Abfahrt keine Kraftprobleme hatte. "Das Einzige, was ich tun durfte, war daheim die Hocke trainieren. Am Anfang waren's zweieinhalb Minuten, am Ende stand ich schon fünf Minuten ohne Brennen im Oberschenkel durch", lachte Trinkl, der ergänzte: "Ich hätte also auch problemlos noch einmal fahren können."

Ein lachender Pepi Strobl
Und auch Pepi Strobl lachte über seinen zweiten Stockerlplatz nach Bormio. "Es wird immer besser, nur frage ich mich, wie ich im Mittelteil so viel Zeit auf den Steff verloren habe. Wichtig ist aber, dass ich nun wohl auch bei Olympia bin." Auch hinter Aamodt als Viertem reihte sich mit Peter Rzehak, Fritz Strobl und Andreas Schifferer ein Österreicher-Paket ein. "Der fünfte Platz ist gut, aber leider bringt er mich in punkto Olympia nicht wirklich weiter", meinte Rzehak. Fritz Strobl stellte fest: "Platz sechs ist normal in Ordnung, nur der große Rückstand ärgert mich. Fast zwei Sekunden darf mir eigentlich nicht passieren." Tief durchgeatmet hat auch Andreas Schifferer. "Ich spüre, es geht wieder aufwärts. In Adelboden war es gut, jetzt auch, ich bin zuversichtlich."

Niederlage für die Schweizer
Die Verlierer des Tages waren die Schweizer. Nach dem Sieg von Adelboden waren sie voller Selbstvertrauen zu ihrem Heimrennen gekommen, dort lief es aber nicht nach Wunsch. Bester war Franco Cavegn auf Platz zwölf, Didier Cuche wurde als 22. überhaupt von allen zehn Österreichern im Ziel "geputzt".

Ergebnisse der Herren-Abfahrt in Wengen

1.

Stephan Eberharter
AUT
2:28,41 Min.
2.

Hannes Trinkl
AUT
+0,26
3.

Josef Strobl
AUT
+0,45
4.

Kjetil-Andre Aamodt
NOR
+1,31
5.

Peter Rzehak
AUT
+1,48 +
6.

Fritz Strobl
AUT
+1,85
7.

Andreas Schifferer
AUT
+2,10
8.

Claude Cretier
FRA
+2,24
9.

Daron Rahlves
USA
+2,31
10.

Lasse Kjus
NOR
+2,33
11.

Kurt Sulzenbacher
ITA
+2,37
12.

Franco Cavegn
SUI
+2,39
13.

Ambrosi Hoffmann
SUI
+2,46
14.

Bruno Kernen
SUI
+2,48
.

Christian Greber
AUT
+2,48
.

Pierre-Emanuel Dalcin
FRA
+2,48







weiter:


17.

Klaus Kröll
AUT
+2,54
19.

Christoph Gruber
AUT
+2,72
20.

Hans Knauß
AUT
+2,95

ausgeschieden u.a.:
Michael Walchhofer (AUT), Kenneth Sivertsen (NOR)

Das weitere Programm in Wengen

Sonntag:
Slalom (10.15/13.00)

7.1.2002 10:47