Die "Alte Dame" soll in Libyen Entwicklungshilfe leisten

Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi gibt sich mit 5,31 Prozent der Aktien des italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin nicht zufrieden. Nachdem er über die von seiner Familie kontrollierten Investmentgesellschaft "Lafico" (Libyan Arab Foreign Investment Company) zu Beginn der Woche das Aktienpaket erworben hat, will er nun seine Kontrolle über Juve erweitern. Seine Beteiligung soll auf 20 Prozent erhöht werden.
"Wie bei jedem guten Geschäft müssen beide Seiten davon profitieren. Juventus braucht frisches Kapital, wir brauchen die Unterstützung des Verbands bei der Entwicklung des Fußballs in Libyen", sagte Gaddafis 28-jähriger Sohn Al Saadi im Interview mit der "Gazzetta dello Sport". Juventus werde das Know-How für die Entwicklung der sportlichen Infrastrukturen in Libyen garantieren.
Italienischer Trainer für libysche Nationalmannschaft
Libyen blickt seit Jahren mit Interesse zum italienischen Markt. Am Freitag wird Al Saadi, Chef des libyschen Fußballklubs "El Ittihad" (Einheit), in Mailand einen vierjährigen Vertrag mit dem italienischen Trainer, Francesco Scoglio, unterzeichnen, der die libysche Nationalmannschaft trainieren wird. "Unser Ziel ist, uns für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu qualifizieren", so Al Saadi.
Geschenk Gaddafis an seinen Sohn
Mit dem Erwerb des 5,31-prozentigen Aktienpaket im Wert von 22,91 Millionen Euro (315 Mio. S) von Juventus (vor drei Wochen Debüt an der Mailänder Börse), sind die Libyer zu den zweitstärksten Juve-Aktionären nach der Unternehmerfamilie Agnelli aufgerückt, die unter anderem den Autokonzern Fiat kontrolliert. Der Einstieg bei dem Turiner Verein, dem dritten Klub, der nach Lazio Rom und AS Roma den Börsengang wagt, gilt als Geschenk des libyschen Revolutionsführers an seinen Sohn Al Saadi, seit Jahren ein Fan von "Juve".
Revolutionsführer auch an Fiat beteiligt
Verbindungen zwischen der Familie Gaddafi und Turin sind ohnehin nichts Neues. Der libysche Präsident hatte im Dezember 1976 bereits ein 20-prozentiges Aktienpaket an der Autogruppe Fiat erworben und dem Konzern aus den Wogen einer schwierigen Autokrise geholfen. Das Aktienpaket war zehn Jahre später verkauft worden. Turin scheint Gaddafi aber wieder zu locken.
