Freitag, 11. Jänner 2002

Materialermüdung gefährdet Fahrsicherheit

Nach einer Serie von schweren Unfällen auf Österreichs Autobahnen durch gebrochene Leitschienen in den vergangenen Monaten hat sich die Autobahngesellschaft Asfinag dazu entschlossen, österreichweit alle Aluminumleitschienen aus dem Verkehr zu ziehen. Kostenpunkt: rund 120 Millionen Euro (1,7 Milliarden Schilling).

Viele davon sind bereits 25 Jahre alt und weisen bereits Anzeichen von Materialermüdung auf. Alle verbliebenen 1.200 Kilometer Aluschienen, das sind etwa 20 Prozent des Gesamtbestands, sollen daher - statt wie ursprünglich bis 2009 geplant - bereits bis Herbst 2004 gegen Stahl- oder Betonleitschienen ausgetauscht werden, so Asfinag-Vorstand Walter Hecke im Gespräch mit der APA.

Finanzierung durch Kredite
Die Kosten in Höhe von rund 120 Mill. Euro (rund 1,7 Mrd. S) trägt die Asfinag selbst. Die Finanzierung erfolgt durch die Aufnahme zusätzlicher Kredite, die über die Einnahmen aus der Autobahnvignette und der Streckenmauten zurückgezahlt werden.

Eine Analyse der Asfinag hatte ergeben, dass sich die älteren Leitschienen aus Aluminium unter besonderen Umständen, wie etwa hoher Geschwindigkeit des Fahrzeugs und einem speziellen Aufprallwinkel, als extrem gefährlich erwiesen haben. "Dabei kann die Aluschiene reißen und sich wie ein Spieß durchs Auto bohren", so Asfinag-Technikvorstand Franz Lückler.

Erst vergangenen Mittwoch war es auf der Südautobahn zum einem Unfall dieser Art mit Schwerverletzten gekommen. Der Pkw war kurz vor Wöllersdorf (Bezirk Wiener Neustadt) in Fahrtrichtung Graz in die Mittelleitschiene gekracht. Der etwa 60-jährige Lenker wurde dabei von der Leitschiene am Oberschenkel getroffen. Die Feuerwehr musste den Mann aus dem Wrack schneiden.

Stahl statt Alu
Im Gegensatz zur bisherigen Praxis soll bei der Erneuerung der Leitschiene in Wöllersdorf nun nicht mehr Alu durch Alu getauscht, sondern durch eine Stahlleitschiene ersetzt werden. Eine entsprechende Weisung hat der Asfinag-Vorstand bereits erstmals erteilt.

Für die restlichen 1.199,5 Kilometer Alu-Leitschiene, die nicht im Zuge von bestehenden Baustellen ausgewechselt werden, arbeitet die Asfinag bereits seit einem tödlichen Unfall am 19. Dezember gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) und den Ländern an einer Prioritätenreihung zum Austausch.

Vorgereiht werden sollen vor allem besonders gefährliche Straßenabschnitte, etwa die besonders kurvenreiche Strecke im Bereich des Wechsels, aber auch Strecken mit hoher Bedeutung, wie eben etwa die Südautobahn südlich von Wien, so Lückler.

3. Spur muss für einen Tag gesperrt werden
Zu Verkehrsbehinderungen durch den Austausch soll es nach den Worten der Asfinag-Vorstände nicht kommen. Nur bei den Mittelleitschienen müsse die dritte Spur der Autobahn kurzfristig gesperrt werden. Für den Austausch eines 500 Meter langen Stücks Leitschiene benötige man etwa einen Arbeitstag, so Hecke. Der Asfinag-Vorstand will das Umtauschprogramm außerdem zum Anlass nehmen, um "die Baugesellschaften mit dem Tempodenken zu konfrontieren", und so die Geschwindigkeit der Arbeiten erhöhen.

11.1.2002 11:05