USA bestehen auf Auslieferung von Funktionären

Zwischen den Behörden in Afghanistan ist ein Streit um den Umgang mit hohen Taliban-Funktionären entbrannt. Einen Tag nach der Freilassung von drei ehemaligen Taliban-Ministern durch die örtlichen Machthaber in Kandahar verurteilte das afghanische Innenministerium den Schritt als inakzeptabel und "unzumutbar". US-Generalstabschef Richard Myers beharrte auf der Auslieferung führender Taliban durch die afghanische Übergangsregierung.
Ein Vertreter des afghanischen Innenministeriums erklärte, die drei Taliban-Minister gehörten ins Gefängnis. Wenn sie Verbrechen begangen hätten, müsse ihnen der Prozess gemacht werden. Die neuen Behörden in der ehemaligen Taliban-Hochburg Kandahar, die dem Stammesführer Gul Agha unterstehen, hatten am Dienstag eine Amnestie für mehrere ranghohe Taliban, darunter drei frühere Minister, erlassen, die sich freiwillig gestellt hatten. Dies sei auf Grundlage eines Abkommens geschehen, das allen Taliban die Freiheit garantiere, die sich ergeben, hieß es.
US-Generalstabschef Myers betonte dagegen, die USA erwarteten die Auslieferung aller Taliban-Führer im Ministerrang. Sie seien für Washington "von hohem Interesse". Die Verwaltung in Kandahar teilte am Mittwoch mit, die freigelassenen ehemaligen Taliban-Minister hätten erklärt, die neue Übergangsregierung in Kabul anzuerkennen.
Die USA bereiten sich unterdessen nach amerikanischen Presseberichten auf eine langfristige militärische Präsenz in Afghanistan und Zentralasien vor. Der Chef der Interimsregierung in Kabul, Hamid Karsai, der im Februar in Washington erwartet wird, müsse auch nach der sechsmonatigen Übergangsperiode im Amt bleiben, erklärte am Mittwoch US-Senator Frank Wolf in Islamabad. Der Parlamentarier gehört der US-Kongressdelegation an, die am Vortag in Kabul mit Karsai konferiert hatte.
In Vorbereitung befindet sich nach Informationen der "New York Times" unter Berufung auf amerikanische Militärquellen ein Luftstützpunkt in Kirgisien, der rund 3000 Mann aufnehmen soll. Gleichzeitig würden zahlreiche Militärexperten nach Usbekistan und Pakistan entsandt. Auch in der südafghanischen Stadt Kandahar, der früheren Taliban-Hochburg, solle eine dauerhafte US-Präsenz gewährleistet sein.
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