Derzeit: 364 mutmaßliche Taliban in Haft

Osama bin Laden und Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar halten sich nach Ansicht des afghanischen Außenministers Abdullah Abdullah (gr. Bild) wahrscheinlich noch im Lande auf. Abdullah: "Früher oder später wird man das wissen. Aber zu diesem Zeitpunkt sind wir nicht sicher, wo sie sich aufhalten. Höchstwahrscheinlich befinden sie sich in Afghanistan." Gestern wurden zwei hochrangige Mitglieder der Terrororganisation verhaftet.
US-Soldaten haben im Osten Afghanistans zwei mutmaßliche hochrangige Mitglieder der El-Kaida-Organisation von Osama bin Laden gefasst. Die beiden hätten sich in der Region um die Stadt Khost zusammen mit zwölf anderen Festgenommen freiwillig gestellt, sagte US-Generalstabschef Richard Myers am Dienstag in Washington. Von ihnen erhofften sich die USA Informationen über den Verbleib Bin Ladens, den die USA als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September ansehen.
Insgesamt hätten die US-Streitkräfte derzeit 364 mutmaßliche Taliban oder El-Kaida-Mitglieder in Afghanistan oder auf einem Kriegsschiff im Golf von Oman in ihrer Gewalt, sagte Myers. Die ersten Gefangenen sollten in Kürze auf den US-Stützpunkt von Guantanamo auf Kuba gebracht werden. Dort entsteht derzeit ein Hochsicherheitsgefängnis für bis zu 2000 Gefangene. Myers zufolge sind bereits 50 Zellen bezugsfertig.
US-Kampfbomber im Osten
US-Kampfbomber sind seit Tagen im Osten Afghanistans im Einsatz, ohne dass es aber Hinweise gäbe, dass die USA Bin Laden dort vermuten. Ihn sehen sie als Drahtzieher der Anschläge, bei denen am 11. September fast 3300 Menschen starben. Omar hatte dem gebürtigen Saudiaraber in Afghanistan Unterschlupf gewährt. In der vergangenen Woche waren seine Gegner überzeugt gewesen, Omar im Südwesten umzingelt zu haben.
Die kanadische Regierung hat beschlossen, 750 Soldaten als Kampftruppen nach Afghanistan zu entsenden. Wie Verteidigungsminister Art Eggleston am Montag in Ottawa mitteilte, sollen sie in der Region Kandahar unter amerikanischem Oberkommando für Sicherheit sorgen, Taliban-Kämpfer aufspüren, Minen räumen und humanitäre Hilfe leisten. "Diese Mission ist nicht ohne Risiken", sagte Eggleston, "aber unsere Truppen sind gut ausgebildet und ausgerüstet, und sie sind bereit, diese wichtigen Aufgaben zu übernehmen". Die Soldaten gehören nicht der internationalen Afghanistan-Schutztruppe an.
Eggleston betonte, die Kanadier gingen als einzige nicht-amerikanische Soldaten in diesen Einsatz: "Dies ist das erste Mal, dass die Amerikaner einen Verbündeten gebeten haben, sie bei ihren Bodenoperationen in Afghanistan zu unterstützen." Ein Vorauskommando soll in den nächsten zehn Tagen nach Kandahar reisen. Die 750 Soldaten sollen bis Mitte Februar zu ihrem auf sechs Monate angesetzten Einsatz aufbrechen.
Kanada hat nach Angaben des Nachrichtensenders CBC fünf Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt, die bereits im Arabischen Meer Patrouille fahren. Außerdem sind etwa 40 Mitglieder einer Anti-Terror-Sondereinheit in Afghanistan im Einsatz.
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