Indien weist Dialogangebote weiter zurück

Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf hat erstmals seit der jüngsten Zuspitzung des Konflikts mit Indien eindeutig alle Arten von Terrorismus zurückgewiesen und einen Anti-Terror-Plan angekündigt. Nach einem Treffen mit dem britischen Ministerpräsidenten Tony Blair erklärte er am Montag in Islamabad: "Pakistan lehnt Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen ab."
Bisher hatte er stets erklärt, Pakistan betrachte die militanten moslemischen Gruppen in Kaschmir nicht als Terroristen, sonders als "Freiheitskämpfer". Bei schweren Gefechten in der Unruheprovinz starben unterdessen 22 Menschen. Indien wies die Dialogangebote von Islamabad zurück.
Blair lobte die Worte Musharrafs. "Der Präsident hat eine sehr klare Erklärung abgegeben, dass er den Terrorismus in all seinen Formen ablehnt", sagte er. Nun sei es wichtig zu zeigen, dass terroristische Gruppen keinen Unterschlupf und keine Unterstützung fänden, sagte er unter Hinweis auf den Terroranschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember. Indien macht Pakistan dafür verantwortlich. Der anschließende Truppenaufmarsch an der gemeinsamen Grenze war der größte seit 1971. Beide Länder verfügen über Atomwaffen.
Musharraf kündigt weitere Schritte gegen Terror an
Musharraf kündigte nach der Zusammenkunft mit Blair auch weitere Schritte gegen islamische Extremisten an. Er werde sich in einigen Tagen an sein Volk wenden und endgültige Entscheidungen über einen Anti-Terror-Plan bekannt geben. Paksitan hatte in den vergangenen Tagen mehrere hundert militante Moslems festgenommen. Blair lobte Musharrafs "schwierige" Entscheidung, der Anti-Terror-Koalition beizutreten.
Britische Regierungsmitarbeiter betonten, Blair habe Musharraf kein Ultimatum gestellt, mehr gegen den Terrorismus zu unternehmen, sondern ihn lediglich an die Realitäten in den internationalen Beziehungen erinnert. Blair erklärte, sein Land werde nicht zwischen Pakistan und Indien vermitteln, da beide selbst einen Ausweg finden sollten. Die internationale Gemeinschaft wolle aber, dass die Situation entschärft werde, und der beste Weg dafür sei der Dialog. "Wenn die Spannungen eskalieren und außer Kontrolle geraten sollten, dann wäre dies ein sehr ernster Tag für die Region und die Welt", sagte Blair. Der britische Premier bemüht sich seit Tagen in der Region um eine Entspannung der Lage.
Indien schließt Dialog mit Pakistan aus
Indien schloss einen Dialog mit Pakistan auf absehbare Zeit aus. Außenminister Jaswant Singh sagte am Montag in Neu-Delhi, Islamabad habe seine Haltung zum Terrorismus nicht geändert. Musharraf rief dagegen in einem am Montag veröffentlichten Interview dazu auf, Gespräche zu führen, um die Lage zu entschärfen. Ein Krieg wäre für beide Nationen verheerend.
Entlang der Grenze in Kaschmir kam es zu heftigen Gefechten und Überfällen, bei denen mindestens 22 Menschen getötet wurden. An der Demarkationslinie beschossen sich beide Seiten mit schwerer Artillerie, wie ein indischer Militärsprecher mitteilte. Beim Eindringen auf indisches Gebiet wurden Polizeiangaben zufolge acht islamische Extremisten getötet. Bei einem Feuergefecht habe man außerdem sechs pakistanische Soldaten getötet, hieß es von Seiten der indischen Armee. Islamisten hätten bei verschiedenen Überfällen mehrere indische Zivilisten umgebracht. Wegen der anhaltenden Gefechte waren nach Angaben Pakistans rund 20.000 Pakistanis auf der Flucht.
China und Russland rufen zu politischer Lösung auf
China und Russland riefen unterdessen in einer gemeinsamen Erklärung die beiden Konfliktparteien zu einer politischen Lösung ihres Streits auf. Eine Beilegung des Konflikts auf diplomatischem Weg sei auch den Friedensbemühungen in Afghanistan dienlich, erklärten die Außenminister Chinas und Russlands, Tang Jiaxuan und Igor Iwanow, am Montag bei einem Treffen in Peking.
Indien und die USA wollen offenbar künftig bei der Terrorismus-Bekämpfung enger zusammenarbeiten und militärische Geheimdienstinformationen austauschen. Wie am Montag in Neu-Delhi aus Regierungskreisen verlautete, wurde eine entsprechende Übereinkunft vergangenen Monat beim Besuch des amerikanischen Verteidigungs-Staatssekretärs Douglas Feith in Indien erzielt.
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