Sonntag, 6. Jänner 2002

Ausländische Investoren befürchten Milliardenverluste

Der argentinische Senat hat in der Nacht auf Montag dem Notstandsprogramm des neuen Präsidenten Eduardo Duhalde zugestimmt. Damit kann Duhalde in den nächsten zwei Jahren mit weit reichenden Sondervollmachten in der Wirtschaftspolitik regieren, ohne die Zustimmung des Parlaments einholen zu müssen. Wenige Stunden nach der Billigung der Regierung wurde eine Abwertung des Peso um 40 Prozent bekannt. Damit soll ein Ausweg aus der schweren Finanzkrise des Landes erreicht werden.

Damit ergibt sich ein Kurs von 1,40 Pesos für einen Dollar (1,107 € / 15,2 S). Die Regierung will nach Angaben des Ministers in der dritten Jännerwoche einen Haushalt für das Finanzjahr 2002, dessen Leitlinien eine Fortsetzung der Sparpolitik und das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben sein sollen. "Wir wollen, dass wir ein Land wie jedes andere werden", sagte Remes Lenicov.

Kurz vor der Entscheidung hatte nach dem Abgeordnetenhaus auch der Senat dem Notstandsprogramm des neuen argentinischen Präsidenten Eduardo Duhaldo zugestimmt. Damit kann Duhalde in den nächsten zwei Jahren mit weit reichenden Sondervollmachten in der Wirtschaftspolitik regieren, ohne die Zustimmung des Parlaments einholen zu müssen.

Die Peso-Abwertung bedeutet für ausländische Unternehmen, dass sie mehrere Milliarden Dollar an Investitionen in Argentinien abschreiben müssen. Betroffen sind vor allem spanische und französische Konzerne. Präsidentensprecher Eduardo Amadeo kündigte an, dass die Regierung in Kürze in einen "ernsthaften Dialog" mit den ausländischen Investoren eintreten werde.

Der seit dem 21. Dezember ausgesetzte Devisenhandel soll laut Lenicov am Mittwoch wieder aufgenommen werden. Anfang Februar wolle die Regierung Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfond über die Auslandsschulden des Landes aufnehmen, sagte Lenicov weiter.

In den 70-er und 80-er Jahren hatte Argentinien unter drei- bis vierstelligen Inflationsraten gelitten. Mit der Eins-zu-Eins- Anbindung des Peso an den Dollar 1991 wurde die Inflation besiegt. Der starre Wechselkurs entwickelte sich aber im Laufe der Jahre zu einem großen Nachteil für das Land. Die argentinischen Exporte wurden zu teuer, und große in- und ausländische Unternehmen bevorzugten die preisgünstigeren Nachbarländer als Produktionsstandorte

6.1.2002 08:23