Die spektakuläre Zukunft der Konsumtempel

Lebensberatung im Supermarkt, per Internet mit ihrem Eigentümer kommunizierende Joghurtbecher und nie mehr an der Kassa warten müssen: Das und mehr prophezeit eine neue Handelsstudie aus dem Zukunftsinstitut von Matthias Horx.
Ein Abend im Jahr 2010: Hans Meier reißt ein Erdbeerjoghurt auf und setzt sich vor seinen Computer. Über einen elektronischen Impuls aus dem Becherdeckel weiß der schon Bescheid. „Das war Ihr letztes Joghurt“, teilt der PC seinem Eigentümer mit und nennt bei der Gelegenheit die aktuellen Joghurtangebote des Supermarkts am Eck, in dem Meier per Kundenkarte einkauft.
Einkaufsabenteuer der Zukunft
Der Supermarkt der Zukunft birgt laut einer eben vom Institut des Zukunftsforschers Matthias Horx herausgegebenen Studie mit dem Titel „Die Zukunft des Handels“ (www.zukunftsinstitut.de) einige Überraschungen: Mit den vertrauten Läden hat er nur noch so viel gemeinsam wie der neue Siebener BMW mit einem Trabi. Denn die Autoren, der Handelsberater Ernst Beinstein und Rudolf Maurer, Ex-Boß des Marktforschungsinstituts AC Nielsen und jetzt Billa-Berater, entwerfen darin zwischen totalem Service, Entertainment und florierendem E-Commerce eine schöne neue Einkaufswelt. Beinstein:
„Erfolgreiche Geschäfte werden in Zukunft so gestaltet sein, daß die Eigentümer eigentlich Eintritt verlangen könnten.“ Ein Kinderbetreuungsplatz im Geschäft ist 2010 längst selbstverständlich. Schließlich ist das One-stop-Prinzip dann verwirklicht, und im Supermarkt lassen sich fast alle Besorgungen auf einmal erledigen: Hier finden sich neben kleinen Energieshops und Versicherungsfilialen zum Beispiel auch Ticketbüros. Die Seele jedes größeren Stores wird ein Marktplatz sein. Dort sorgen zwischen der Schauküche und dem Coffeeshop Zauberkünstler, Produktpräsentatoren und Animatoren für Abwechslung. Ein Markt mit Authentischem aus der Region lädt zum Handeln und Feilschen ein, damit zum Einkaufserlebnis auch noch ein Erfolgserlebnis kommt. Der Trend zur Selbstbedienung wird bis dahin gebrochen sein. Jede Menge, teilweise vom Handel selbst und teilweise von der Industrie bezahlte McJobs entstehen so.
Luftschlösser mit Fundament
Die Studie, die heuer im Mittelpunkt des wichtigsten heimischen Handelsevents, dem Cash-Handelsforum in Fuschl, stehen wird, zeichnet auch ein neues Konsumentenprofil: Unterschieden wird nicht mehr zwischen Reich und Arm, sondern zwischen Gebildet und Ungebildet. Bei Gebildeten wird mit den Faktoren Mobilität, Ich-Bezogenheit, Informationsbedürfnis und Gesundheitsbewußtsein kalkuliert. Bei Ungebildeten mit Unterhaltungsbedürfnis, Sicherheitsdenken, Bindung an Traditionen und stärkerem Preisbewußtsein.
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