Freitag, 4. Jänner 2002

Höchste Arbeitslosigkeit der II. Republik in NÖ

Der dramatische Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich setzte sich im Dezember 2001 weiter fort. Mit insgesamt 267.825 Jobsuchenden nahm die Arbeitslosigkeit um 50.689 Personen oder 23,3 Prozent zu! Gegenüber November wurden saisonbedingt um 42.948 Personen oder 19,1 Prozent mehr Arbeitslose registriert, gab das Wirtschaftsministerium am Freitag bekannt.

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten (ohne Geringfügige) lag Ende Dezember mit 3,100.298 um 593 unter dem Vorjahreswert. Im November gab es von 3,137.386 unselbstständig Beschäftigte.

Die nach EU-Kriterien ermittelte saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag mit 4,3 Prozent um 0,6 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau und um 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats. Die nationale Arbeitslosenquote stieg dramatisch von 6,7 Prozent im November auf 7,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr nahm sie sogar um 1,4 Prozentpunkte zu. Den deutlichsten Ansteig der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr gab es bei den Bauberufen mit einem Plus von 45,8 Prozent.

Höchste Arbeitslosigkeit der Zweiten Republik in NÖ
Beim Arbeitsmarktservice Niederösterreich (AMS NÖ) waren mit Ende vergangenen Jahres 48.241 Menschen arbeitslos vorgemerkt. Das waren um 11.322 oder 30,7 Prozent mehr als 2000. Die Arbeitslosigkeit hat damit "in absoluten Zahlen den höchsten Dezemberwert" der Zweiten Republik erreicht, teilte das AMS NÖ am Freitag mit.

Die Ursachen dafür lägen einerseits in der Wirtschaftsentwicklung, laut WIFO ist "weit und breit keine konjunkturelle Wende in Sicht", so das Arbeitsmarktservice des Landes. Der dämpfende Effekt der internationalen Konjunkturabschwächung auf Export und Investitionen werde in Österreich noch durch den deutlichen Rückgang der Bauproduktion verschärft. Das gelte speziell für das Bundesland Niederösterreich, dem von Experten seit längerer Zeit "chronische Überkapazitäten im Baubereich attestiert werden".

Andererseits sind laut AMS NÖ aber auch "statistische Gründe", also die Messinstrumentarien selbst, für den derart starken Anstieg der Arbeitslosigkeit im Land verantwortlich. Wurde der "statistische Dezember 2000" bereits mit Stichtag 21. abgeschlossen, so dauerte der "statistische Dezember 2001" auf Grund einer Umstellung im AMS-System bis zum 27. des Monats. Da die klassische Winterarbeitslosigkeit am Bau traditionell erst nach Weihnachten kräftig anschwelle, habe diese Inkongruenz der Vergleichszeiträume erheblich zum gemessenen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich beigetragen. Im Dezember 2000 sind in Niederösterreich pro Tag durchschnittlich 534 Personen in die Arbeitslosigkeit zugegangen, im Dezember 2001 im Schnitt 664.

Anstieg in Wien um ein Viertel
In der Bundeshauptstadt Wien wurden Ende Dezember 80.218 Arbeitslose registriert, das ist eine Steigerung von 25,8 Prozent gegenüber Dezember 2000. Laut AMS-Wien waren 49.559 Männer (das ist ein Plus von 28,2 Prozent) und 30.659 Frauen (plus 22,1 Prozent) Ende des Monats ohne Job. Saisonal bedingt stieg die Zahl der Arbeitslosen auch gegenüber dem November 2001 um 12.213 Personen oder 18 Prozent. Die vorläufige Arbeitslosenquote (gemessen am Beschäftigtenstand November) beträgt 9,5 Prozent.

Neben den über 60-Jährigen war die Gruppe der 19- bis 24-Jährigen am stärksten vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen (plus 33,2). Die zahlenmäßig stärkste Gruppe sind die 30- bis 40-Jährigen mit 18.397 Personen (plus 28,6 Prozent). Besonders ausgewirkt hat sich diese Entwicklung im Baugewerbe, wo ein Anstieg von 35,7 Prozent verzeichnet wurde.

4.1.2002 11:46