Sonntag, 6. Jänner 2002

Schönfelder als bester ÖSV-Läufer Sechster

Wenn Bode Miller in dieser Saison im Slalom oder Riesentorlauf ohne größere Fehler durchkommt, dann ist er kaum zu schlagen. Was der US-Amerikaner am Sonntag im Torlauf von Adelboden eindrucksvoll demonstrierte. Mit zweimal Laufbestzeit auf dem schweren Kuonisbergli deklassierte der 24-Jährige die Konkurrenz und gewann schließlich mit dem Riesenvorsprung von 1,92 Sekunden auf den zweitplatzierten Kroaten Ivica Kostelic, der dem Tiroler Mario Matt (15.) die Führung im Slalom-Weltcup abjagte. Bester der ÖSV-Truppe wurde der Kärntner Rainer Schönfelder auf Rang sechs.

Insgesamt drei Weltcupsiege, davon zwei im Slalom, hat Miller nun schon auf seinem Konto, im Gesamt-Weltcup eroberte er hinter Stephan Eberharter (Rückstand 192 Punkte) Rang zwei wieder zurück. "Das ist perfekt für die Olympischen Spiele", freute sich die größte US-Ski-Medaillenhoffnung bei den Heimspielen in Utah. Kostelic sprach nach Platz zwei von einem "Wunder", da er im Finish des zweiten Durchgangs beinahe ausgeschieden wäre.

Tomba hatte als Letzter einen solchen Vorsprung
Man musste schon sieben Jahre in den Slalom-Ergebnislisten nachblättern, ehe man auf einen so gewaltigen Vorsprung stößt. Alberto Tomba hatte am 8. Jänner 1995 das Rennen in Garmisch- Partenkirchen mit einer um 1,95 Sekunden besseren Zeit als Marc Giradelli gewonnen. 1,66 Sekunden schneller als Thomas Stangassinger war Thomas Sykora am 12. Jänner 1997 in Chamonix gewesen, 1,29 Guthaben hatte Benjamin Raich vor einem Jahr in Wengen auf Schönfelder.

Raich: Vier von fünf Rennen nicht beendet
Für den Tiroler WM-Zweiten und Weltcup-Slalomsieger der vergangenen Saison läuft es in dieser Saison im Torlauf alles andere als zufriedenstellend. Raich schied am Sonntag schon im ersten Durchgang nach guter Zwischenzeit aus, womit der 23-Jährige zum vierten Mal im fünften Rennen nicht ins Ziel kam und nur einen sechsten Rang in Madonna zu Buche stehen hat.

Mario blieb matt
Gemessen an seinen Möglichkeiten wurde in Adelboden Mario Matt diesmal seinem Namen gerecht. Der Tiroler Weltmeister, in diesem Winter schon drei Mal auf dem Stockerl (Ränge 1,2,3), war nur in Madonna als 20. schlechter gewesen. Nur Rang 15 - 2,94 Sekunden hinter Miller - führte der Tiroler darauf zurück, "dass ich nie richtig ins Fahren gekommen bin". Jeweils nach einem Fehler im oberen flachen Teil und weitere kleinere im extrem steilen Zielhang "haben sich dann summiert".

ÖSV-Herren mit schwachem zweiten Durchgang
Dennoch war Matt, zunächst Zwölfter, mit der 15. Zeit schnellster Österreicher im zweiten Lauf, in dem auch seine Kollegen ihre besseren Positionen vom ersten Durchgang verschlechterten. So fielen u.a. Schönfelder vom vierten auf den sechsten, Manfred Pranger vom sechsten auf den siebenten Platz zurück und der Siebente vom ersten Heat, Kilian Albrecht, verabschiedete sich überhaupt.

Für Schönfelder geht es aufwärts
Schönfelder (24 Jahre), der mit neuen Schuhen fuhr, war aber seinen sechsten Platz, seinem zweitbesten Ergebnis nach Rang vier von Aspen zwei, dennoch recht zufrieden. "Das Skifahren macht wieder Spass, ich hatte zuletzt gut trainiert und keine Rückenschmerzen", freute sich der Kärntner, der sich zwar noch nicht "hundertprozentig in Form fühlt", aber einen Aufwärtstrend vor den Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Schladming feststellt.

Auch Manfred Pranger fühlt sich "nach dem schwersten Slalom, den ich je gefahren bin, sehr gut". Das Material passe, an Olympia verschwende er noch keinen Gedanken. Immerhin war der Tiroler in Kranjska Gora Sechster gewesen.

Noch drei Rennen, dann macht Sykora Schluss
Nicht unzufrieden war auch Altstar Thomas Sykora, obwohl er im ersten Lauf ausschied. "Bis dahin war ich aber gut unterwegs, die Formkurve geht wieder aufwärts", meinte der Niederösterreicher, der zuletzt wegen Knieschmerzen wenig trainiert, aber viel mit den Kurzski "herumgetestet" hatte. "Jetzt kann ich wieder ordentlich draufdrücken. Wengen, Kitzbühel und Schladming möchte ich noch fahren, dann ist Schluss." Für die Olympischen Spiele wird sich der einstige Weltcupsieger ja wohl kaum qualifizieren. Als erster Deutscher qualifizierte sich hingegen der Kleinwalsertaler Markus Eberle (Rang elf) für Salt Lake City.

Herren-Slalom in Adelboden, Endklassement

1.
Bode Miller
USA
1:33,24 Minuten

2.
Ivica Kostelic
CRO
1:35,16
+ 1,92
3.
Mitja Kunc
SLO
1:35,39
+ 2,15
4.
Kalle Palander
FIN
1:35,55
+ 2,31
5.
Tom Stiansen
NOR
1:35,62
+ 2,38
6.
Rainer Schönfelder
AUT
1:35,63
+ 2,39
7.
Manfred Pranger
AUT
1:35,67
+ 2,43
8.
Jure Kosir
SLO
1:35,78
+ 2,54
9.
Jean-Philippe Roy
CAN
1:35,91
+ 2,67
10.
Sebastien Amiez
FRA
1:35,92
+ 2,68
11.
Markus Eberle
GER
1:36,02
+ 2,78
12.
Mitja Dragsic
SLO
1:36,07
+ 2,83
13.
Andrzej Bachleda
POL
1:36,12
+ 2,88
.
Ole-Christian Furuseth
NOR
1:36,12
+ 2,88
15.
Mario Matt
AUT
1:36,18
+ 2,94
16.
Drago Grubelnik
SLO
1:36,21
+ 2,97
17.
Chip Knight
USA
1:36,30
+ 3,06
18.
Florian Seer
AUT
1:36,32
+ 3,08
.
Mitja Valencic
SLO
1:36,32
+ 3,08
20.
Thomas Grandi
CAN
1:36,42
+ 3,18
21.
Kjetil-Andre Aamodt
NOR
1:36,53
+ 3,29
22.
Truls Ove Karlsen
NOR
1:36,66
+ 3,42
23.
Marco Casanova
SUI
1:36,71
+ 3,47
.
Stanley Hayer
CZE
1:36,71
+ 3,47
25.
Alain Baxter
ENG
1:37,42
+ 4,18
26.
Alexandre Anselmet
FRA
1:38,11
+ 4,87
27.
Thomas Geisser
SUI
1:38,61
+ 5,37
28.
Kentaro Minagawa
JPN
1:39,82
+ 6,58

6.1.2002 09:09