Freitag, 4. Jänner 2002

Pärson siegt mit über einer Sekunde Vorsprung

Nur 24 Stunden nach dem schwersten Debakel im Riesentorlauf seit 17 Jahren hat es für Österreichs Skidamen im ersten von zwei Weltcup-Slaloms in Marburg den nächsten Rückschlag gegeben. Nur zwei kamen durch, Sabine Egger war als Beste erst auf Rang 21 zu finden, die junge Marlies Schild wurde 23.

Triumphatorin des Tages war Anja Pärson. Die Schwedin gewann vor Kristina Koznick und Laure Pequegnot nach Sestriere und Lienz ihren dritten Slalom in Folge. Damit löste sie Michaela Dorfmeister als Führende im Gesamt-Weltcup ab. Schon am Sonntag kann Pärson erneut zuschlagen.

Schwarze Bilanz für ÖSV
"Durchkommen und punkten" hatte der Auftrag von Trainer Mathias Berthold an seine junge Mädchentruppe gelautet, doch nicht einmal das ging auf. Carina Raich bremste sich im ersten Lauf auf Platz zwölf ein, Christine Sponring auf Rang 14. Als beide im zweiten Lauf etwas mehr Risiko nahmen, fielen aber auch sie aus. Wie schon zuvor Renate Götschl, die nun auf den zweiten Slalom am Sonntag verzichtet und sich lieber auf die Speed-Rennen in Saalbach vorbereitet. Seit dem tollen Auftakt in Copper Mountain, als Sponring vor Raich Zweite geworden war, ist damit in den folgenden drei Slaloms keine ÖSV-Läuferin mehr unter die ersten 13 gekommen.

Schlechte Stimmung
Die Stimmung nach dem nächsten Rückschlag war dementsprechend schlecht. "Das ist ja nicht unbedingt das, was mir liegt", kommentierte Sponring nach dem dritten Ausfall in Folge den Auftrag, nicht zu viel zu wagen. "Im zweiten habe ich deshalb mehr riskiert, bin auf dem Innenski weg gerutscht. Aber sowas kann immer passieren. Morgen gebe ich wieder Vollgas", versprach die Tirolerin. Sabine Egger gestand, "dass ich als 21. nicht glücklich sein kann, die beste Österreicherin zu sein. Aber für mich zählt jedes Ergebnis derzeit."

Frehsner: "Realistisch bleiben"
Damenchef Karl Frehsner war vor allem wegen der Negativ-Schlagzeilen nach der Riesentorlauf-Pleite am Freitag sauer. "Das ist Statistik-Reiterei, man soll nicht alles so negativ sehen", meinte er. "Im Slalom haben wir viele junge Läuferinnen, da kann sowas schon mal passieren." Dass man Sponring und Raich nach den Podestplätzen in Copper bereits hochgejubelt habe, sei ebenso falsch gewesen. "Man muss eben realistisch bleiben." Zumindest wird man Sponring und Co am Sonntag die Zügel wieder etwas lockerer lassen. Frehsner: "Sie sind noch nicht so routiniert, um so einen Auftrag umzusetzen. Sie sollen fahren, was sie können."

Pärson unschlagbar
In Hochform fährt derzeit hingegen Pärson. Die Weltmeisterin aus Tärnaby legte wie schon bei ihren vorangegangenen Siegen mit Bestzeit im ersten Lauf den Grundstein, auf dem von ihrem Vater gesetzten zweiten Kurs konnte dann einfach nichts mehr schief gehen, obwohl die 20-Jährige erneut volles Riskio nahm. Am Ende lag sie gleich 1,19 Sekunden vor Koznick, die schon in Lienz Zweite gewesen war. Pärson führt im Weltcup mit 509 Punkten vor Sonja Nef (461), die als Slalom-Achte ebenfalls an Michaela Dorfmeister (456) vorbei zog.

Fußball-Fans liefern einander Schlägereien
Am Rande des Slaloms kam es zu Zusammenstößen zwischen slowenischen und kroatischen Zuschauern. Anhänger des Fußballvereine aus Marburg und von Dinamo Zagreb lieferten einander in einem Waldstück Schlägereien, bei denen einige Krawallmacher leicht verletzt worden. Auch Leuchtraketen wurden geworfen. Unter den etwa 10.000 Zuschauern waren auch einige tausend friedliche Fans aus Kroatien, um Janica Kostelic an ihrem 20. Geburtstag zu unterstützen. Die Gesamtweltcup-Siegerin fuhr als Neunte erstmals in dieser Saison unter die Top Ten.

Damen-Slalom in Marburg, Endergebnis

1.

Anja Pärson
SWE
1:38,05
2.

Kristina Koznick
USA
+1,19
3.

Laure Pequegnot
FRA
+1,25
4.

Tanja Poutiainen
FIN
+1,44
5.

Marlis Öster
SUI
+1,68
6.

Christel Pascal-Saioni
FRA
+1,82
7.

Sarah Schleper
USA
+1,92
8.

Sonja Nef
SUI
+2,06
9.

Janica Kostelic
CRO
+2,09
10.

Corina Grünenfelder
SUI
+2,10
11.

Elisabetta Biavaschi
ITA
+2,33
12.

Ylva Nowen
SWE
+2,45
13.

Vanessa Vidal
FRA
+2,75
14.

Lea Dabic
SLO
+3,03
15.

Monika Bergmann
GER
+3,37
16.

Janette Hargin
SWE
+3,41
17.

Trine Bakke
NOR
+3,42
18.

Genevieve Simard
CAN
+3,81
19.

Nicole Gius
ITA
+3,87
20.

Alenka Dovzan
SLO
+3,89
21.

Sabine Egger
AUT
+3,92
22.

Line Viken
NOR
+3,95
23.

Marlies Schild
AUT
+3,99
24.

Noriyo Hiroi
JPN
+4,08
25.

Tina Maze
SLO
+4,20
26.

Natasa Bokal
SLO
+4,27

4.1.2002 15:35