Donnerstag, 3. Jänner 2002

Sonja Nef siegt vor Tina Maze

Österreichs Ski-Damen sind mit einem Jahrzehnte-Debakel ins Jahr 2002 gestartet. Wenige Tage nach der Enttäuschung von Lienz wurde Sölden-Siegerin Michaela Dorfmeister am Freitag im Riesentorlauf von Marburg mit 3,13 Sekunden Rückstand auf die überlegen Siegerin Sonja Nef nur 23., Renate Götschl war auf Platz 17. die "Beste" des ÖSV-Teams, das auf allen Linien enttäuschte. Die Sensation des Rennens war die 17-jährige Slowenin Tina Maze, die sich auf ihrem Heimberg nur Weltmeisterin Nef geschlagen geben musste.

Das Ergebnis zeichnete sich schon nach dem ersten Durchgang ab. Auf dem Kurs von ÖSV-Trainer Bernd Zobel war Dorfmeister als Elfte die Beste, doch selbst der angekündigte totale Angriff im Finale fand nicht statt. Zwar kamen alle sieben qualifizierten ÖSV-Damen durch, keine konnte sich aber auch nur ansatzweise verbessern. Am Ende stand das schlechteste Riesentorlauf-Ergebnis seit einer kleinen Ewigkeit fest, selbst der letzte RTL ohne eine Österreicherin unter den Top-Ten liegt mit dem Finale in Bormio 1995 schon fast sechs Jahre zurück. Auch der "Lichtblick" war mit Nicole Hosp nur auf dem letzten Platz zu finden. Die 18-Jährige hatte sich trotz einer Gipshand und Startnummer 61 für das Finale qualifiziert und machte als 29. erstmals Weltcup-Punkte.

Ratlosigkeit im ÖSV-Team
Kein Wunder also, dass fünf Wochen vor Olympia bei Dorfmeister und Co Ratlosigkeit herrschte. Waren beim ohnehin schon sehr bescheidenen Ergebnis des Silvesterrennens in Lienz mit Tanja Schneider und Silvia Berger wenigstens noch zwei in die ersten zehn gekommen, hat das Sondertraining in Obdach den Knopf nicht zum Aufgehen gebracht. "Ich bin vom Ergebnis her wirklich sehr enttäuscht. Statt anzugreifen waren sie schon im Ziel bereits hinten, einige sind wirklich schlecht gefahren", sagte Zobel. "Die Verkrampfung wird in so einem Moment immer größer."

Lehrstunde für Dorfmeister
Dorfmeister war als bisher einzige ÖSV-Saisonsiegerin besonders ratlos. In Sölden hatte sie Nef noch knapp bezwungen, in Marburg lag sie über drei Sekunden hinter der Weltmeisterin aus der Schweiz, die der von Maze (schon 1,53 zurück) angeführten Konkurrenz eine Lehrstunde erteilte und als Erste in diesem Winter im Riesentorlauf ihre Halbzeitführung verteidigte. "Dabei habe ich im Training ein gutes Gefühl. Aber heute habe ich vom zweiten Tor weg gespürt, dass es einfach nicht geht. Ich bin ratlos, weiß nicht, warum ich so weit hinten bin", sagte die Niederösterreicherin, die vor den zwei Slaloms in Marburg in der Weltcup-Gesamtwertung nur noch 27 Punkte vor Nef liegt.

Es könne sein, so Dorfmeister, dass ihr im Moment die Mehrbelastung durch die Starts in drei Disziplinen etwas auf den Kopf fallen. Ein nicht unbegründeter Verdacht, greift doch die im Slalom bereits deutlich erkennbare "Spezialisierung" auch im Riesentorlauf immer mehr um sich. Während Dorfmeister aber keinen Grund sieht, deshalb eine Disziplin zu streichen, ist Renate Götschl durchaus am Überlegen.

Götschl "derfahrts" nicht
"Die Dichte ist so eng, dass du entweder ganz vorne oder ganz hinten bist. Ich muss wirklich überlegen, ob ich den Slalom nicht bleiben lasse weil es für mich wichtiger ist, im Riesentorlauf wieder an die Spitze zu kommen", dachte die Steirerin laut nach. Zumindest in Marburg durfte sie noch am zufriedensten sein. "Weil ich sehe, dass ich gutes Material habe. Ich derfahrs halt im Moment noch nicht."

Hoffen auf Saalbach-Rennen
Alpinchef Hans Pum versuchte ein wenig zu beruhigen. Ihm ist klar, dass derzeit mangels einer konstanten Spitzenläuferin derzeit der Wurm drin ist. "Alle wollen und zeigen Einsatz, aber wenn das Selbstvertrauen nicht da ist, ist es schwierig, ohne Verkrampfung runter zu fahren. Was fehlt, ist ein einziges gutes Ergebnis." Zobel hofft jetzt auf die Heimrennen in Saalbach. "Erfolge in den schnellen Disziplinen können beim Vergessen helfen."

Während Weltmeisterin Nef als erste in diesem Winter ihre Halbzeitführung verteidigte und der von der erst 17-jährigen Slowenin Tina Maze angeführten Konkurrenz eine Lehrstunde erteilte, herrschte speziell bei den Österreicherinen Ratlosigkeit.

Damen-RTL in Marburg, Endklassement

1.

Sonja Nef
SUI
2:21,48
2.

Tina Maze
SLO
+1,53
3.

Stina Hofgard Nilsen
NOR
+1,64
4.

Andrine Flemmen
NOR
+1,67
5.

Ylva Nowen
SWE
+1,77
6.

Anja Pärson
SWE
+1,85
7.

Corinne Rey-Bellet
SUI
+1,92
8.

Maria Jose Rienda-Contreras
ESP
+2,43
9.

Carole Montillet
FRA
+2,45
10.

Allison Forsyth
CAN
+2,48
11.

Sarah Schleper
USA
+2,49
12.

Tanja Poutiainen
FIN
+2,55
13.

Hilde Gerg
GER
+2,57
.

Sonia Vierin
ITA
+2,57
15.

Karen Putzer
ITA
+2,58
.

Nicole Gius
ITA
+2,58
17.

Renate Götschl
AUT
+2,65
18.

Silke Bachmann
ITA
+2,80
.

Anna Ottosson
SWE
+2,80
20.

Maria Riesch
GER
+2,83
21.

Alenka Dovzan
SLO
+2,86
22.

Eveline Rohregger
AUT
+3,04
23.

Michaela Dorfmeister
AUT
+3,13
24.

Silvia Berger
AUT
+3,18
25.

Christel Pascal-Saioni
FRA
+3,32
26.

Alexandra Meissnitzer
AUT
+3,44
27.

Selina Heregger
AUT
+3,60
28.

Martina Ertl
GER
+3,93
29.

Nicole Hosp
AUT
+4,04


Weltcup-Programm dieser Woche:
Damen - Marburg:

Samstag: Slalom (09:30/12:15)
Sonntag: Slalom (09:30/12:00)

Herren - Adelboden:
Samstag: Riesentorlauf (10:15/13:00)
Sonntag: Slalom (10:15/13:00)

3.1.2002 11:49