Sonntag, 6. Jänner 2002

FORMAT-Bericht sorgt für heftige Debatten

Der in der neuen Ausgabe von FORMAT aufgedeckte Plan zum Ausbau des Fliegerhorsts Zeltwegs zu einer internationalen Großwerft ist in der Steiermark heftig umstritten. SPÖ und KPÖ protestieren, die FPÖ begrüßt den Plan.

Der Zeltweger SPÖ-Bürgermeister kritisierte am Montag, nichts von derartigen Vorhaben erfahren zu haben. Das Militärkommando Steiermark wiederum stellte fest, dass die Studie "von einem privaten Institut erstellt wurde" und "dieses Papier nicht das Anbot" von Saab darstelle. Am Montag äußerte sich lediglich der steirische FPÖ-LHstv. Leopold Schöggl positiv.

Am meisten ärgerte sich der Zeltweger Bürgermeister Kurt Leitner (SPÖ), der von einer "Geheimstudie" sprach und die angeblichen Pläne als "nicht vorstellbar" bezeichnete. Anlass der Aufregung sind angebliche Pläne, wonach Saab im Fall es Zuschlags für das "Draken"-Nachfolgemodell Gripen die obersteirische Werft zu einer internationalen Basis ausbauen wolle, in der auch Kampfjets aus Osteuropa gewartet werden sollten. Der Bürgermeister kündigte ein entsprechendes Protestschreiben an Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ) an und beklagte sich, von der Bundesregierung nicht informiert zu werden. In Zeltweg wohnen etwa 8.000 Menschen, in der Region Aichfeld rund 80.000.

Bundesheer dementiert Saab-Plan energisch
Das Bundesheer hat am Montag überhaupt dementiert: Die Studie sei lediglich als "Unterlage" gedacht und diene dazu, "mögliche wirtschaftliche Effekte einer solchen Beschaffung für Firmenzwecke im Vorfeld zu beleuchten", so Presseoffizier Major Gerhard Schweiger. Eine Beurteilung über die wirtschaftliche Nutzung der Fliegerwerft werde erst nach Vorliegen der Anbote - die Frist endet am 23. Jänner - möglich sein. Erst dann werde zu entscheiden sein, "welches System die größten Vorteile und die größtmögliche Sicherheit für Österreich bringt", so Schweiger.

Auf politischer Seite kamen Proteste von der Landes-SPÖ und der KPÖ: SPÖ-Landesgeschäftsführer Hans Marcher sprach von einer "Zumutung für die dort lebende Bevölkerung: Es kann doch nicht sein, dass sämtliche in den Nachbarländern stationierte Abfangjäger dann ihre Kampfflugmanöver in der Obersteiermark trainieren oder hier alle Wartungsarbeiten durchführen lassen". Neben den Lärmbelastungen stellte Marcher auch massive Bedenken hinsichtlich der Neutralität in den Raum. Auch die KPÖ protestierte heftig: "Ein solches Trainingslager wäre eine Katastrophe für unsere Region", die damit "noch mehr zur Militärregion" werde.

FP-Schöggl: "Riesenchance für die Region"
Lediglich der steirische FPÖ-Chef Leopold Schöggl sah die Angelegenheit positiv: "Das wäre eine Riesenchance für die Region", ein "enormer Technologieschub" sei zu erwarten. Von der Spitze der steirischen ÖVP gab es am Montag einstweilen noch keine Stellungnahme: Nur VP-Wehrsprecher Peter Rieser hatte vorsichtige Sympathie für die Pläne signalisiert. Die ÖVP hatte in den 80-er Jahren unter Landeshauptmann Josef Krainer bis zum Äußersten und letztlich doch vergeblich gegen den Ankauf der "Draken" gekämpft.

6.1.2002 09:20