Sicherheitsgespräche werden fortgesetzt

Israelische Geheimdienstkreise machen Palästinenserpräsident Yasser Arafat persönlich für den Kauf von 50 Tonnen Waffen verantwortlich. Die Waffen waren von der israelischen Armee am Donnerstag auf einem palästinensischen Schiff in internationalen Gewässern entdeckt worden. Die von US-Sondervermittler Zinni initiierten Sicherheitsgespräche werden laut Außenminister Peres dennoch fortgesetzt.
Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Sonntag berichtete, hätten allein die Ausgaben von etwa 15 Millionen US-Dollar (16,6 Mill. Euro/228 Mill. S) für die Waffen die Zustimmung Arafats erfordert. Die Autonomiebehörde hat jede Kenntnis der Waffenlieferung bestritten und Israel beschuldigt, einen Propagandakrieg gegen die Palästinenser zu führen.
Nach Ansicht der Geheimdienstkreise sei Arafats Zustimmung vermutlich auch für die Kontakte mit iranischen Stellen nötig gewesen, von denen die Palästinenser die Waffen, darunter Katjuscha-Raketen mit einer Reichweite von mehr als 20 Kilometern, gekauft haben sollen.
"Bedeutendster Waffenfang durch die israelische Armee"
Israel veröffentlichte inzwischen am Sonntag Einzelheiten der Beschlagnahme von 50 Tonnen Waffen. Der Kapitän und drei Besatzungsmitglieder seien Angehörige der palästinensischen Marinepolizei. Ein Mitglied der Hisbollah habe sich ebenfalls an Bord aufgehalten, hieß es schon am Samstag. Bei der Aktion wurden 13 Personen festgenommen. Ministerpräsident Ariel Sharon sprach auf einer Kabinettssitzung am Sonntag von einem "extrem schweren Zwischenfall, der das wahre Gesicht der Autonomiebehörde" enthülle.
Die "Karine A" sei in Libanon von Adel Mughrabi gekauft worden, einem Einkäufer von Waffen für die Autonomiebehörde, erklärte ein israelischer Armeevertreter, der nicht genannt werden wollte. Das Schiff sei nach Sudan gefahren, wo es "unverdächtige Handelsgüter" an Bord genommen und diese nach Jemen gebracht habe. In Jemen sei die Mannschaft ausgewechselt worden. Neuer Kapitän sei Omar Akawi geworden, ein Oberst der palästinensischen Marinepolizei.
Im Dezember habe das Schiff auf Anordnung Mughrabis vor der Küste Irans von einer Fähre 80 große Kisten mit Waffen, Sprengstoff und Munition übernommen. Die "Karine A" sollte laut dem Armeevertreter ursprünglich durch den Suezkanal fahren und die Waffenladung im Mittelmeer auf drei kleinere Schiffe verteilen. Diese hätten die Ladung vor der Küste des Gazastreifens an die palästinensische Marinepolizei übergeben sollen.
Sicherheitsgespräche werden fortgesetzt
Die israelische Regierung wird trotz des umfangreichen Waffen-Fundes auf einem palästinensischen Schiff die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den Palästinensern fortsetzen. Das sagte Außenminister Shimon Peres nach einem Gespräch mit US-Nahostvermittler Anthony Zinni am Sonntag in Jerusalem. Peres nannte die Entdeckung der Waffen auf der im Roten Meer von der israelischen Marine aufgebrachten "Karine-A" einen "sehr ernsten Zwischenfall". Er werde "Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit" der palästinensischen Führung haben.
Zinni, der an diesem Sonntag mit den Sicherheitschefs beider Seiten zusammentreffen will, ging vor Journalisten nicht auf den Zwischenfall ein. Der US-Gesandte betonte, dass es noch "ein langer Weg bis zum Frieden" sei, bei dem die Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit und die Bekämpfung des Terrorismus an erster Stelle stehe. Ziel des Treffens der Sicherheitsexperten unter seiner Vermittlung sei es, "einen Plan zu verwirklichen, der uns zu diesem Ziel führt."
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